Recherchen und Analysen rund um das Thema „Design“ – Bericht über ein Seminar des Rats für Formgebung

Frau Aszmoneit, ausgebildete Diplom-Bibliothekarin, ist eine Design-Institution. Seit 1987 leitet sie als Manager Informationsdienste die umfangreiche Spezial-Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main und bietet zusammen mit ihrem Team hochspezialisierte Informationsvermittlung an rund um die Themenfelder

  • Internationales Industriedesign
  • Internationales Produktdesign
  • Visuelle Kommunikation
  • Architektur
  • Werbung
  • Mode
  • u.v.m.

Ihr eigenes Spezialgebiet (neben anderen): Designwettbewerbe.

So hörte sich der Titel des Seminars, das Helge Aszmoneit Ende November im Frankfurter Messeturm anbot, zunächst etwas kryptisch an: „Update + Research/Eine Wegweisung zwischen Informationsflut und Fokussierung“.

Was Frau Aszmoneit dann allerdings den acht TeilnehmerInnen aus Hochschule, Designpraxis, Produktdesign und Beratung an diesem Nachmittag bot, war sehr beeindruckend und gleichzeitig spielerisch-unterhaltend.

Neben der Strukturierung und Einordnung von Quellen und Informationen, der Rolle von Fachzeitschriften und -Büchern, wertvollen Anregungen zu Rechercheaufwand und -umfang (speziell im Designprozess), wie sie uns zum Teil auch aus anderen Themengebieten wie Wirtschaft, Jura oder Naturwissenschaft vertraut sind, fokussierte die Design-Expertin auf die Bedeutung des Internets, von Newslettern, den Besuch von Messen und Sonderschauen, Präsentationen von Diplom- bzw. Bachelor- oder Masterarbeiten, Einbeziehen der Ausstellungen von Design-Museen und deren Bibliotheken bis hin zu Expertengesprächen – und diese Aufzählung war sicherlich nicht vollständig. Dazu ein fundierter Exkurs zum Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Bildmaterial und Quellen- bzw. Fundstellenbelegen.

Dabei gelingt es ihr mühelos, auf der Höhe der Zeit zu sein – sie ist u.a. Lehrbeauftragte an mehreren Design-Hochschulen bzw. – Fachbereichen.

Wichtig war Helge Aszmoneit zum Einstieg in das Seminar auch, die Bedeutung der Quellenlage und der Quellenbewertung zu unterstreichen – wichtig, nicht nur für Non-Information Professionals.

Dazu zählen für sie u.a.

  • Urheberschaft (einer Quelle)
  • Seriosität
  • Relevanz
  • Aktualität
  • Lesbarkeit des Mediums
  • Erscheinungsturnus
  • Impressumsangaben (im deutschsprachigen Raum; international nicht gebräuchlich)

Nun aber zu ausgewählten Quellen, die Helge Aszmoneit im Verlauf des Seminars besonders hervorhob.

Wir starten mit der Webseite der deutschen Zeitschrift FORM – zweimonatlich erscheinend und das seit 1957. Täglich werden aktuelle Meldungen rund ums Design publiziert. Besonderheit hier: das Heftarchiv seit Ausgabe 1/1957 (aktuell bis einschliesslich des Jahrgangs 2011). Es steht kostenfrei nach einer Online-Registrierung zur Verfügung und ist mit Boole’schen Operaturen durchsuchbar. Die Initiative René Spitz’ ist in diesem Zusammenhang wohl besonders hervorzuheben.

In den USA wird seit rund zehn Jahren die Website CORE 77 publiziert. Hier werden Trends, Lifestyle, Produkte, Unternehmen, neue Technologien oder auch studentische Arbeiten vorgestellt. Bildstrecken und Kalender ergänzen das Angebot – ebenfalls ein wöchentlich erscheinender Newsletter.

designboom, 1999 in Mailand gegründet, inzwischen auch mit Büros in Peking und New York, bezeichnet sich selbst mit weltweit rund 4 Millionen Lesern und 450.000 Newsletter-Abonnenten als beliebtestes digitale Medium rund um das Themenfeld Design. Abträglich hier – auch nach Einschätzung Helge Aszmoneits – das sehr zerklüftete Design der Website (GUI). Suchfunktionen nach Relevanz und Erscheinungsdatum sind integriert, ebenfalls ein tägliches Newsletter-Angebot.

dezeen, Herausgeber Marcus Fairs, erscheint als Webangebot und Printausgabe in London. Beide sind zu ca. 70% deckungsgleich. Die Website integriert ebenfalls eine hilfreiche Suchfunktion und bietet sehr gutes Bildmaterial. In mehrwöchigem Abstand erscheinen Specials zu einzelnen Themengebieten wie Shopdesign oder Retail. Newsletter sind sowohl auf täglicher als auch wöchentlicher Basis abonnierbar.

DesignBytes der IDSA (Industrial Designers Society of America) ist ein ebenfalls englischsprachiges Webangebot mit regionalem Schwerpunkt USA. Hier spannend: Verweise zu Quellen im Originaltext (Volltext), sehr gute Abdeckung gerade in der Branche diskutierter Themen und ein Newsletter, der sich inhaltlich vom Webseiteninhalt emanzipiert.

Dexigner – ein 14-tägig erscheinender Newsletter, sehr gut gestaltet und thematisch umfassend. Die Website selbst bietet hingegen nur wenig Veränderung.

Bloomberg, das bedeutende amerikanische Nachrichtenportal, ist Helge Aszmoneit eine Empfehlung zum Themenfeld Design wert. Hier schätzt sie v.a. die Business-Section mit ihren Informationen zu neuen Produkten und Industrien, Automobilbau, Schmuck, Fahrradmanufakturen – nur um mal voll in das extrem umfangreiche Angebot der Seite zu greifen. Es versteht sich, dass eine Suchfunktion die Recherche im Portal erleichtert.

Mit zwomp.de sind wir wieder zurück in Deutschland. Die Seite spezialisiert sich auf Industriedesign. Neben anderen Inhalten schätzt die Design-Expertin hier die Rubrik für Einsteiger und die Möglichkeit, (laufende) Arbeiten aus Hochschulen kennenzulernen.

BLOOM’s beleuchtet hingegen mit einem breiten Angebot an Magazinen und Büchern das Thema floralen Lifestyle und publiziert floristische Fachliteratur. Die Website gibt einen gelungenen Überblick zu diesem Spezialgebiet – lassen Sie sich vom etwas biederen Design des Webauftritts nicht abschrecken.

Und wo wir schon in Deutschland sind – schauen wir mit unserer Referentin doch gerade mal in die „echte“ Welt und in die deutsche Hauptstadt: „Do you read me?!“ – Diese Frage können Sie als Design-Afficionado/a in der Auguststrasse 28 in Berlin-Mitte beantworten bzw. beantwortet bekommen. Hier finden Sie die wohl deutschlandweit grösste Auswahl an nationalen und internationalen Fachzeitschriften zum Thema Design – dazu Fachbücher, -accessoires und was Ihr Herz mehr begehren mag.

À propos Thema Print im Designbereich: Helge Aszmoneit sieht einen Trend hin zu hochwertiger Gestaltung und Haptik – nicht nur im Bereich Typographie und Page Design. Hier müssen Webangebote für einmal beim jetzigen Stand der Technik zurückstecken.

Anhand des FRAME-Magazine illustriert Frau Aszmoneit den angesprochenen Trend. Die herumgereichten Exemplare aus ihrer Bibliothek wirken ausgesprochen hochwertig und eine eigene Bildredaktion sorgt für sehr individuelles Material – mit und aus spannenden Perspektiven. Die zugehörige Website referiere erst nach Erscheinen und sehr partiell auf die Artikel der jeweiligen FRAME-Printausgabe, so Helge Aszmoneit. Allerdings: wer auf die angesprochenen haptischen und die Vorteile der grossen Seiten verzichten kann und möchte (Euro 19,95 pro aktuellem Heft – ältere Ausgaben Euro 12,95), findet in der FRAME-Magazine-Digitalausgabe eine gute und preiswerte Alternative – zu einem sehr günstigen Preis im amerikanischen iTunes-Store.

Allgemein politisch/philosophisch/zeitgeistige Themen sind über das Viewpoint Magazine und dessen Website zugänglich. Dankenswert – das digitale Heftarchiv reicht im Volltext zurück bis zur ersten Ausgabe 1/2011.

Ein Juwel für all jene, denen noch keine Scheuklappen den Blick nach rechts und links verstellen (oder gerne auch umgekehrt) ist das in Hamburg erscheinende unorthodoxe Wirtschaftsmagazin Brand Eins – immer noch von dessen Gründerin Gabriele Fischer verantwortet, immer noch neue Horizonte eröffnend, immer noch als Printausgabe oder digitale Version zu bekommen und immer noch selbst mit hohem gestalterischen Anspruch, der sich auch inhaltlich wiederfinden lässt. Regelmässig werden Designthemen behandelt – und ausserdem rundet ein frei zugängliches Heftarchiv mit den älteren Ausgaben das Angebot ab.

Kommen wir zu Bibliotheken, deren OPACs (Online Public Access Catalogue – also i.d.R. über das Internet zugängliche Bibliothekskataloge) und digitalisierten Ausgaben von (Design-)Zeitschriften.

Auch hier hat Helge Aszmoneit einen Strauss nicht alltäglicher Quellen zur Hand.

So stellt die Universitätsbibliothek Heidelberg mit ihrer EZB eine Elektronische Zeitschriftenbibliothek zur Verfügung – für alle möglichen und unmöglichen Wissensgebiete, aber auch für Architektur, Kunstgeschichte usw.

Von 1922 bis 1935 erschien als Publikationsorgan des Deutschen Werkbundes die Zeitschrift DIE FORM. Sämtliche Ausgaben sind digital verfügbar – in der Digitalen Bibliothek Heidelberg.

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden betreibt seit wenigen Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung das Sondersammelgebiet (SSG) Industriedesign und kann darüber hinaus unter dem Fachinformationsdienstarthistoricum.net mit weiteren einschlägigen Sondersammlungen aufwarten.

Weitere einschlägige Bibliotheksquellen rund um die Themenfelder Design/Foto/Architektur/Graphik/Kunstgeschichte usw.

Jedem Entwickler und/oder Designer können schnell Schweissperlen auf die Stirn treten, wenn es um unklare Fragen zu Patenten, Marken- oder Bildrechten geht.

Helge Aszmoneit hat hier einige Quellen zur Hand – Vorsicht: Spezialwissen bei der Recherche erforderlich!

Und was empfiehlt Frau Aszmoneit, um sich über Design-Trends auf dem Laufenden zu halten? Hier einige ihrer Tips zu einschlägigen Websites oder Datenbanken:

Und natürlich – nicht zu vergessen – auch in der politischen- oder Wirtschaftspresse lohnt sich die Recherche nach Designthemen:

In PAGE, der deutschen Zeitschrift für Design und Gestaltung beinhalten die Ausgaben1/2013 und 7/2016 ausführliche Sonderteile zum Thema „Kreative Recherche“.

Abschliessend noch einige ergänzende Links von mir zum Themenfeld Design / Architektur:

Und – nicht zu vergessen: die Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main können Sie nach vorheriger Anmeldung auch besuchen und dort recherchieren – das Team von Helge Aszmoneit wird Sie gerne dabei unterstützen.