DGI-Blog

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Kommentar zu „SOWIPORT-Daten – ein Opfer des OPEN ACCESS“

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in Zeiten von Fake News in der Politik und im Alltagsleben sowie Betrug und Fälschung in der Wissenschaft ist es ein falsches Signal, eine Quelle mit belastbaren fachlich ausgewählten und erschlossenen Dokumenten aus den Sozialwissenschaften zu schließen und den Zugang zu vertrauenswürdigen Informationen so zu erschweren. In diesem Sinne unterstützt der Vorstand der DGI die Aufforderung von Benno Homann  (http://www.inetbib.de/listenarchiv/msg62219.html) und Marcell Schorer (http://www.inetbib.de/listenarchiv/msg62211.html) und appelliert an GESIS, sich dafür einzusetzen, die über SOWIPORT angebotenen Datenbanken über das neue Rechercheportal weiterhin zugänglich zu halten oder einen alternativen Zugangsweg zu eröffnen.

Mit freundlichen Grüßen

Marlies Ockenfeld

Vorstand DGI

Zukunft baut auf Erfahrung: Perspektiven vom Mundaneum bis heute

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Bericht von der DGI-Konferenz, 19. und 20. Mai 2016 in Frankfurt am Main von Elgin Helen Jakisch

Eine spannende DGI-Konferenz liegt hinter uns. Die Referenten ermöglichten hochinteressante Einblicke in ihre jeweiligen Erfahrungen und nahmen Bezug zu ihrer Geschichte und den Herausforderungen der Gegenwart. Viele Methoden haben mit der Digitalisierung Schritt gehalten. Viele der Ansätze waren zwar nicht neu, rückten aber die Stärken der „IuD-ler“ wieder mehr ins Bewusstsein. Wer ehrlich ist, bekennt, wie viel Arbeit wirklich gute Wissensorganisation bedeutet. Die DGI-Konferenz 2016 hat zur Konzentration auf diese wesentlichen Fragen einen guten Beitrag geleistet. Soweit so positiv. Doch allen Referenten und Teilnehmern wurde wieder einmal klar: der Nutzen des eigenen Tuns für Praxis und potentielle Kunden ist groß, muss jedoch erheblich besser kommuniziert werden. Der Auftrag lautet, sich als Infoprofi auf die Kernkompetenzen zu fokussieren und damit deutlicher zu werben.

Reinhard Karger, Präsident der DGI, eröffnete die Tagung mit der Aufforderung, die Infoprofis sollten die Diskussion über gesellschafts- und arbeitsmarktpolitische Veränderungen zentral anführen. Wissensmanagement findet heute auf allen Ebenen stattErfahrungen sind ein Fundament, damit Informationskompetenz und -qualität nicht verschwinden. Karger diskutierte den Querschnitt seines in der IWP 2+3/2016 erschienenen Plädoyers über die Positionen der DGI.

Über Paul Otlets Visionen der Organisation des Weltwissens war von Prof. Dr. Frank Hartmann von der Bauhaus-Universität Weimar zu erfahren. Otlet wollte die Information aus den Büchern herausholen und die Fakten erschließen, in einer Zeit des Aufbruchs von Telegraphie, ersten globalen Denkens und Weltausstellungen. Denkt man die Vision zu Ende, ist die Wissensallmende logisch – Wissen sollte Gemeingut sein. Otlet wusste, dass vor der Information die Dokumentation steht und entwarf Ideen zur Vernetzung des Wissens – lange vor Google. Doch geriet Otlet in Vergessenheit, weil er nicht über seine Visionen kommuniziert hatte?

Prof. Dr. Eric Hilgendorf, Universität Würzburg, referierte über das „RobotRecht“. Computer und Recht verzahnen sich, der Rechtsbegriff erweitert sich durch die Schnittstelle Maschine, Mensch und Netz. Der Mensch muss vor Folgen geschützt werden, die seiner Person oder der Gesellschaft schaden könnten, selbst wenn die Begeisterung über neue Wege der Datengenerierung und Vernetzung die Auswirkungen verschleiern.

Hauke Janssen von der Dokumentation des Magazins „Der Spiegel“ erläuterte das Fact-Checking und die Tätigkeiten der Informationsarbeiter seit Gründung der Zeitschrift. Hier ist eine ganze Abteilung mit der Verifikation aller Fakten in Artikeln beschäftigt – ein höchster Anspruch an Informationsqualität, unter dem Druck medialer Aufmerksamkeit in Echtzeit und permanenter interner Lobbyarbeit für die Dokumentation.

Lobby, Kommunikation über den Nutzen, gesellschaftliche Debatten – all dies setzte sich in der Podiumsdiskussion mit den Teilnehmern Reinhard Karger, Prof. Dr. Günther Neher (FH-Potsdam), Dr. Rafael Ball (ETH Zürich) und Dr. Hauke Janssen und unter reger Beteiligung des Publikums fort. Thema „Informationswissenschaft zwischen Krise und Renaissance“ – „Wege aus der Defensive“. Die Schließung des Studiengangs in Düsseldorf und das Urteil des Leibniz-Senats über die ZBMED stimmen nicht gerade optimistisch. Das Thema spielt in deutschen Medien jedoch keine Rolle, obwohl das anders sein sollte. Das Dilemma ist Uneinigkeit der Community in der eigenen Ausrichtung und mangelnde Kommunikation über den Nutzen des Berufsbildes mit fehlender Lobbyarbeit in der Politik. Fazit: das Eigenmarketing ist „verstaubt“, die Bekanntheit des Infoprofis schlecht. Dennoch finden Absolventen Jobs, vielleicht, weil sie ihren Beruf als „Kommunikationsoptionfür universelle Methoden begreifen- denn der Bedarf nach Ordnung des Wissens ist seit Otlet gleich geblieben.

Tag zwei startete mit der Präsentation der Neuausrichtung des IuD-Studiengangs an der FH-Potsdam, von Prof. Dr. Rolf Däßler, der betonte, dass IuD heute im Sinne von Datenmanagement verstanden werden muss. Ein Schwerpunt bildet die mathematischen Grundlagen – wichtig für jede Statistik. Viel Praxis, Werkstatt und Projektarbeit soll die Studenten fit für den Job machen. Danach präsentierten sich vier Studenten mit drei Projekt-, bzw. Masterarbeiten und stellten Ihre Ergebnisse und den Nutzen vor.

Prof. Dr. Marc Rittberger vom DIPF Frankfurt widmete sich den Erfahrungen der Logfileanalyse. Nichts in der webbasierten Welt geht ohne Tracking für die Webseitengestaltung und die Platzierung von Inhalten. Dabei ist das Verständnis über Nutzerverhalten genauso wichtig wie Quantitäten. Die Anpassung an mobile Geräte hat dem Thema erneut Schub gegeben.

Auch Prof. Dr. Ulrike Spree von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg fragte nach den Erfahrungen guter und schlechter Wissensorganisation in den letzten 20 Jahren. Ihr Fokus lag auf Inhaltserschließung und Wissenspräsentation. Die Wissensarbeiter heute tun immer noch zu viel in Handarbeit. Nutzerverhalten wird auch hier nur bei kommerziellen Produkten systematisch, aber sonst viel zu wenig in Betracht gezogen. „Theorie und Praxis arbeiten immer noch nicht gut zusammen“, so ihr Fazit.

Babette Bolle von STN stellte die Funktionalitäten der neuen high-performance-Plattform für die Patentsuche vor. „Wenn man Gutes bewahren will muss man Veränderungen zulassen“, so Babette Bolle und erläuterte den Wandel von der Expertenplattform hin zur intuitiven Selbstrecherche.

Was tun für die Zukunft Medizininformation? Dr. Helge Knüttel, Rechercheur und Fachreferent für Medizin an der UB Regensburg, stellt die hochwertige Informationsversorgung in der Medizin durch den möglichen Wegfall vom Literaturservice DIMDI und der ZBMED in Frage und befürwortete die Sicherung von Know-How in öffentlicher und zentraler Hand. Aus seiner Sicht wäre das für die Gesundheitsversorgung die bessere Entscheidung.

Ulrich Herb von der UB Saarbrücken widmete sich zum Schluss der Kommerzialisierung von Open Access. Aus seiner Sicht ist das Versprechen der Gemeinnützigkeit oder Wissensallmende nur halbherzig umgesetzt. Denn wieder einmal generieren Verlage die Gewinne und die Kosten wurden verlagert und zunehmend intransparent. Die Preise werden mit wachsender Nachfrage nach Open Access steigen – das ist die Marktlogik.

Nähere Infos:

Programm und Folien der Präsentationen finden Sie auf den Seiten des Veranstaltungskalenders.

Langfassungen der Vorträge erscheinen in den folgenden Ausgaben der IWP.

Karger, Reinhard: Perspektiven und Positionen der DGI: ein Plädoyer. – In: IWP, 2-3 (2016), S. 101, s.a. DOI: 10.1515/iwp-2016-0023

Karger, Reinhard: Informationskompetenz fördern: digitale Urteilsfähigkeit. – In: IHK-Wirtschaftsforum, 4 (2019), S. 41, s.a. http://www.frankfurt-main.ihk.de/presse/ihk-wirtschaftsforum/

Matching Points of Interest from Different Social Networking Sites

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On September 25, we (Tatjana Scheffler, Rafael Schirru, and Paul Lehmann) had the chance to present our work about data integration for points of interest from different community Web sites at the 35th German Conference on Artificial Intelligence in Saarbrücken.

POI matching has become an important task for different systems such as map applications and location recommendation systems. In recent years, users have contributed valuable information about locations (points of interest, POIs) in community projects such as OpenStreetMap (OSM) as well as in commercial social networks like Yelp or its German variant, Qype. These platforms often provide different types of information for the same objects, for example ratings (Qype), check-ins (Facebook Places), descriptions, categories, etc. For researchers and application developers it is often necessary to merge these distinct representations of POIs in order to obtain rich and complete information about the associated locations. Unfortunately the records representing the POIs do not share a common identifier across platforms thus making their matching a difficult task. In our work we present an approach matching POIs from Qype and Facebook Places to their counterparts in OSM. The algorithm uses different similarity measures taking the geographic distance of POIs into account as well as the string similarity of selected metadata fields. An evaluation of our system has shown that our proposed approach achieves an accuracy of 79% for data integration with Qype and 64% with Facebook Places while at the same time reducing the number of false matches compared to two baseline algorithms.

Details about the approach can either be found in our paper or can be directly obtained from the authors.