DGI-Blog

Category Archives: Internet and Society

Umfrage – Weniger Meinungsfreiheit wäre ok!?

By | Bibliothek und Information, Informationskompetenz, Internet and Society, Internet und Gesellschaft, Presse | 5 Comments

Die für Informationsspezialisten überraschende Information kam in der Moderation des ZDF-Politbarometers vom 28.09. eher beiläufig daher und verschwand angesichts der aktuellen Politikerbenotungen schnell hinter Zahlen und Informationen. Drum sei nochmal darauf hingewiesen: Laut der hier vorgestellten Ergebnisse würden annährend die Hälfte der befragten Personen (47 Prozent) ein Verbot religionskritischer Darstellungen befürworten, selbst wenn damit Einschränkungen der Meinungsfreiheit verbunden wären.

Die Meinungsfreiheit wird in Deutschland in Artikel 5 Abs. 1 des Grundgesetzes definiert: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […] Eine Zensur findet nicht statt.

Ein Blick in Geschichtsbücher und die Aussagen von Historikern bestätigen, dass der geschichtliche und politische Entwicklungsweg bis zu dieser Definition lang, mühevoll und mit Repressionen, Gewalt und Rückschlägen verbunden war.

Artikel 5 des Grundgesetzes stellt auch einen zentralen Pfeiler für alle mit dem Bibliotheks- und Informationswesen verbundenen Berufe und der damit zusammenhängender Branchen dar. Und sein Inhalt dient als wichtiger Gradmesser für die Situation des Staates mit Blick auf demokratische Grundrechte, auch in Europa. Nicht nur Politiker und Vertreter der Wirtschaft betonen zudem die Vorteile der Informations- und Wissensgesellschaft als Fortschritt.

Doch wie reif ist eine Gesellschaft für die “Informations- und Wissensgesellschaft” tatsächlich, wenn fast die statistische Hälfte ihrer Teilnehmer zur Lösung aktueller Problemlagen gezielte Einschränkungen beim Zugriff auf Information hinnehmen würde?

Zeitungsleser im Hausgärtchen (Carl Spitzweg)

Selbst wenn man entschuldigend anführen möchte, dass die befragten Personen die Option “Einschränkung der Meinungsfreiheit” als ein naheliegendes und erfüllbares Angebot zur Auflösung eines Problems vorgestellt bekommen, so bleibt dennoch ein Unbehagen. Als aufmerksame Beobachter/innen erinnern Sie sich bestimmt an nicht lange zurückliegende Ereignisse und Diskussionen, bei denen deutlich wurde, dass bestimmten Interessengruppen auch in Deutschland an einer Einschränkung der Meinungsfreiheit und des Zugangs zu Information offenbar durchaus gelegen ist. – Und so könnte das Zwischenergebnis aus dem Politbarometer des ZDF ausgerechnet von diesen Interessengruppen als durchaus ermutigender Anhaltspunkt verstanden werden …

 

Die Meinungsfreiheit wurde 1798 in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich als eines der kostbarsten Rechte des Menschen bezeichnet. Nach politischen Aufständen und deren Niederschlagung um 1848/1849 wurden einmal erreichte bürgerliche Rechte weitgehend wieder eingeschränkt. Zeitungen wurden in diesem Zusammenhang verboten oder nur nach strenger Zensur publiziert. Lesegesellschaften wurden geschlossen. Phasenweise war es für den Bürger ratsam, sich politisch nicht zu äußern. Nur der Rückzug in den privaten Raum bot Schutz vor der Zensur. Nur hier kann der Zeitungsleser wie auf dem Bild von Carl Spitzweg wenigstens mimisch missbilligen, was in der Zeitung steht. Das Bild entstand um 1845/1858. (Bildquelle: Wikipedia)

 

Über Netzpolitik, den Beitrag der Informationsberufe und verschenkte Chancen

By | Internet and Society, Internet und Gesellschaft, Netzpolitik | 2 Comments

Eine Entwicklung, die nicht zu übersehen ist, findet zurzeit in der (deutschen und internationalen) Politik statt. Netzpolitische Themen, Begriffe wie Informations- und Wissensgesellschaft, Urheberrecht – alle spielen eine zunehmende Rolle im politischen und gesellschaftlichen Diskurs.

Spätestens seitdem die Piratenpartei in Deutschland an Aufmerksamkeit gewonnen hat, beschäftigen sich alle Parteien intensiv mit diesen Themen. Manche Parteien haben das auch früher gemacht.

Aber Netzpolitik ist kein neues Feld, sie ist eine weitere Instanz von Informationspolitik. Die Art Politik, die für die Informationsberufe schon immer von Bedeutung war.

Diese Entwicklung öffnet den Informationsberufen, deren Verbände und Vereine, einen politischen und gesellschaftlichen Handlungs- und Einflussspielraum – eine Gelegenheit, die nicht verpasst werden darf. Das  ist eine Gelegenheit, in der Diskussion einen wichtigen Beitrag zu leisten. Eine Gelegenheit, auf Entwicklungen Einfluss zu nehmen, die nicht nur die Zukunft der eigenen Berufe bestimmt, sondern auch die Zukunft der Gesellschaft, in der die Berufe agieren. Eine Gelegenheit, um aufzuhören den Kopf in den Sand zu stecken und anzufangen aktiv zu werden.

Ich erläutere mein Plädoyer an einem aktuellen Beispiel: Read More

GfWM THEMEN Ausgabe 3 / September 2012

By | Dokumentation, Informationskompetenz, Informationspraxis, Informationswissenschaft, Internet and Society, Internet und Gesellschaft, Netzpolitik, Social Media | No Comments

GfWM THEMEN 3 / September 2012

Mit ihrer neuen fachlichen Publikation GfWM THEMEN veröffentlicht die Gesellschaft für Wissensmanagement in der mittlerweile dritten, gerade vorgelegten Ausgabe Expertenbeiträge rund um das Thema Wissensmanagement. Das Redaktionsteam stellt Ihnen in dieser Ausgabe neben weiteren bemerkenswerten Fachbeiträgen auch diesen Artikel über kritische Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens vor:

Leistungsschutzrecht, Acta, Urheberrecht und Open Access: Der Umgang mit Information und Wissen wird zunehmend komplexer gestaltet und beeinflusst auch den Bereich des wissenschaftlichen Publizierens: Elka Sloan schildert am Beispiel der Elsevier-Boykotts ausgewählte Aspekte der neuen Entwicklungen.

Die weiteren Beiträge dieser Ausgabe:

– Günther M. Szogs: „Maybe Knowing“ – an impulse regarding cross-fertilization of knowledge and art
– Stephan Tanneberger: Die Soziale Netzwerke-Pyramide
– Interview mit Dirk Lorber, db InfoCenter, Deutsche Bank Research: „ … durch konstante Leistung überzeugen“
– Dr. Siegfried Mauch: Wissensmanagement in Baden-Württemberg am Beispiel Feuerwehr im Main-Tauber-Kreis
– Prof. Dr. Gudrun Behm-Steidel: Qualifizierungen im Bereich Wissensmanagement – ein unübersichtlicher Dschungel?!

Kostenloser Download GfWM THEMEN 3 / September 2012 als PDF http://www.gfwm.de/files/GfWMTHEMEN3-September2012.pdf
Homepage GfWM THEMEN und GfWM newsletter http://www.gfwm.de/node/8

Dass Redaktionsteam wünscht eine interessante Lektüre und freut sich auf Ihre Rückmeldungen.
themen_at_gfwm.de

Digitale Demenz – Was hat Manfred Spitzers Buch mit der DGI zu tun und warum sollten wir dazu diskutieren?

By | Bildungspolitik, Dokumentation, Informationskompetenz, Informationspraxis, Informationswissenschaft, Internet and Society, Netzpolitik | 12 Comments

Das Buch von Manfred Spitzer „Digitale Demenz“ erregt derzeit, zu Recht wie ich finde, die öffentlichen Gemüter. Aussagen aus dem Spitzer-Buch tangieren dabei die Thematik Informationskompetenz, derjenigen der Laien sowie der (Informations-)Experten. Allerdings teile ich sein Lamento nicht und schon gar nicht die Verwendung von „Studienergebnissen“ aus der frühkindlichen Phase, die dann einfach mal auf die Verhältnisse bei Schulkindern und bei jungen Erwachsenen übertragen werden.

Schauen wir einmal in das Vorwort und die Einführung zu Spitzers Buch – Quelle:

http://www.droemer-knaur.de/livebook/LP_978-3-426-27603-7/downloads/livebook.pdf (Stand 06.09.2012).

Dort heißt es: Read More

Geht doch …!

By | Internet and Society, Internet und Gesellschaft, Netzpolitik | One Comment

Ich führte heute ein ermutigendes Gespräch mit einem Bundestagsabgeordneten der CSU und Mitglied der Bundestags-Enquete Internet und Gesellschaft.

Erstes Thema: Medienkompetenz vs. Informationskompetenz. Wieder einmal, nachdem gerade gestern die “Handlungsempfehlungen” der Projektgruppe Bildung und Forschung der Enquete veröffentlicht wurden, in denen Informationskompetenz nicht ein einziges mal genannt ist und dafür Medienkompetenz sowie andere zusammengesetzte Wörter mit “Medien-“Anteilen umso massiver. Wir sind uns schnell einig, dass dies wahrscheinlich daran liegt, dass Menschen gerne das Neue in Begriffen des Alten fassen. Vor dem Digitalen gab es unterschiedliche Medien mit je eigenen, charakteristischen Formaten, die jedoch zunehmend in dem einen neuen digitalen Medium aufgehen – wir emulieren nur eine Zeitlang noch diese medienspezifischen Formate im Netz. Es ist also wichtig, den Begriff Informationskompetenz weiter zu thematisieren – und die DGI wird dabei von meinem Gesprächspartner als kompetenter Partner gesehen.

Zweites Thema: Read More