Recherchen und Analysen rund um das Thema „Design“ – Bericht über ein Seminar des Rats für Formgebung

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Frau Aszmoneit, ausgebildete Diplom-Bibliothekarin, ist eine Design-Institution. Seit 1987 leitet sie als Manager Informationsdienste die umfangreiche Spezial-Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main und bietet zusammen mit ihrem Team hochspezialisierte Informationsvermittlung an rund um die Themenfelder

  • Internationales Industriedesign
  • Internationales Produktdesign
  • Visuelle Kommunikation
  • Architektur
  • Werbung
  • Mode
  • u.v.m.

Ihr eigenes Spezialgebiet (neben anderen): Designwettbewerbe.

So hörte sich der Titel des Seminars, das Helge Aszmoneit Ende November im Frankfurter Messeturm anbot, zunächst etwas kryptisch an: „Update + Research/Eine Wegweisung zwischen Informationsflut und Fokussierung“.

Was Frau Aszmoneit dann allerdings den acht TeilnehmerInnen aus Hochschule, Designpraxis, Produktdesign und Beratung an diesem Nachmittag bot, war sehr beeindruckend und gleichzeitig spielerisch-unterhaltend.

Neben der Strukturierung und Einordnung von Quellen und Informationen, der Rolle von Fachzeitschriften und -Büchern, wertvollen Anregungen zu Rechercheaufwand und -umfang (speziell im Designprozess), wie sie uns zum Teil auch aus anderen Themengebieten wie Wirtschaft, Jura oder Naturwissenschaft vertraut sind, fokussierte die Design-Expertin auf die Bedeutung des Internets, von Newslettern, den Besuch von Messen und Sonderschauen, Präsentationen von Diplom- bzw. Bachelor- oder Masterarbeiten, Einbeziehen der Ausstellungen von Design-Museen und deren Bibliotheken bis hin zu Expertengesprächen – und diese Aufzählung war sicherlich nicht vollständig. Dazu ein fundierter Exkurs zum Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Bildmaterial und Quellen- bzw. Fundstellenbelegen.

Dabei gelingt es ihr mühelos, auf der Höhe der Zeit zu sein – sie ist u.a. Lehrbeauftragte an mehreren Design-Hochschulen bzw. – Fachbereichen.

Wichtig war Helge Aszmoneit zum Einstieg in das Seminar auch, die Bedeutung der Quellenlage und der Quellenbewertung zu unterstreichen – wichtig, nicht nur für Non-Information Professionals.

Dazu zählen für sie u.a.

  • Urheberschaft (einer Quelle)
  • Seriosität
  • Relevanz
  • Aktualität
  • Lesbarkeit des Mediums
  • Erscheinungsturnus
  • Impressumsangaben (im deutschsprachigen Raum; international nicht gebräuchlich)

Nun aber zu ausgewählten Quellen, die Helge Aszmoneit im Verlauf des Seminars besonders hervorhob.

Wir starten mit der Webseite der deutschen Zeitschrift FORM – zweimonatlich erscheinend und das seit 1957. Täglich werden aktuelle Meldungen rund ums Design publiziert. Besonderheit hier: das Heftarchiv seit Ausgabe 1/1957 (aktuell bis einschliesslich des Jahrgangs 2011). Es steht kostenfrei nach einer Online-Registrierung zur Verfügung und ist mit Boole’schen Operaturen durchsuchbar. Die Initiative René Spitz’ ist in diesem Zusammenhang wohl besonders hervorzuheben.

In den USA wird seit rund zehn Jahren die Website CORE 77 publiziert. Hier werden Trends, Lifestyle, Produkte, Unternehmen, neue Technologien oder auch studentische Arbeiten vorgestellt. Bildstrecken und Kalender ergänzen das Angebot – ebenfalls ein wöchentlich erscheinender Newsletter.

designboom, 1999 in Mailand gegründet, inzwischen auch mit Büros in Peking und New York, bezeichnet sich selbst mit weltweit rund 4 Millionen Lesern und 450.000 Newsletter-Abonnenten als beliebtestes digitale Medium rund um das Themenfeld Design. Abträglich hier – auch nach Einschätzung Helge Aszmoneits – das sehr zerklüftete Design der Website (GUI). Suchfunktionen nach Relevanz und Erscheinungsdatum sind integriert, ebenfalls ein tägliches Newsletter-Angebot.

dezeen, Herausgeber Marcus Fairs, erscheint als Webangebot und Printausgabe in London. Beide sind zu ca. 70% deckungsgleich. Die Website integriert ebenfalls eine hilfreiche Suchfunktion und bietet sehr gutes Bildmaterial. In mehrwöchigem Abstand erscheinen Specials zu einzelnen Themengebieten wie Shopdesign oder Retail. Newsletter sind sowohl auf täglicher als auch wöchentlicher Basis abonnierbar.

DesignBytes der IDSA (Industrial Designers Society of America) ist ein ebenfalls englischsprachiges Webangebot mit regionalem Schwerpunkt USA. Hier spannend: Verweise zu Quellen im Originaltext (Volltext), sehr gute Abdeckung gerade in der Branche diskutierter Themen und ein Newsletter, der sich inhaltlich vom Webseiteninhalt emanzipiert.

Dexigner – ein 14-tägig erscheinender Newsletter, sehr gut gestaltet und thematisch umfassend. Die Website selbst bietet hingegen nur wenig Veränderung.

Bloomberg, das bedeutende amerikanische Nachrichtenportal, ist Helge Aszmoneit eine Empfehlung zum Themenfeld Design wert. Hier schätzt sie v.a. die Business-Section mit ihren Informationen zu neuen Produkten und Industrien, Automobilbau, Schmuck, Fahrradmanufakturen – nur um mal voll in das extrem umfangreiche Angebot der Seite zu greifen. Es versteht sich, dass eine Suchfunktion die Recherche im Portal erleichtert.

Mit zwomp.de sind wir wieder zurück in Deutschland. Die Seite spezialisiert sich auf Industriedesign. Neben anderen Inhalten schätzt die Design-Expertin hier die Rubrik für Einsteiger und die Möglichkeit, (laufende) Arbeiten aus Hochschulen kennenzulernen.

BLOOM’s beleuchtet hingegen mit einem breiten Angebot an Magazinen und Büchern das Thema floralen Lifestyle und publiziert floristische Fachliteratur. Die Website gibt einen gelungenen Überblick zu diesem Spezialgebiet – lassen Sie sich vom etwas biederen Design des Webauftritts nicht abschrecken.

Und wo wir schon in Deutschland sind – schauen wir mit unserer Referentin doch gerade mal in die „echte“ Welt und in die deutsche Hauptstadt: „Do you read me?!“ – Diese Frage können Sie als Design-Afficionado/a in der Auguststrasse 28 in Berlin-Mitte beantworten bzw. beantwortet bekommen. Hier finden Sie die wohl deutschlandweit grösste Auswahl an nationalen und internationalen Fachzeitschriften zum Thema Design – dazu Fachbücher, -accessoires und was Ihr Herz mehr begehren mag.

À propos Thema Print im Designbereich: Helge Aszmoneit sieht einen Trend hin zu hochwertiger Gestaltung und Haptik – nicht nur im Bereich Typographie und Page Design. Hier müssen Webangebote für einmal beim jetzigen Stand der Technik zurückstecken.

Anhand des FRAME-Magazine illustriert Frau Aszmoneit den angesprochenen Trend. Die herumgereichten Exemplare aus ihrer Bibliothek wirken ausgesprochen hochwertig und eine eigene Bildredaktion sorgt für sehr individuelles Material – mit und aus spannenden Perspektiven. Die zugehörige Website referiere erst nach Erscheinen und sehr partiell auf die Artikel der jeweiligen FRAME-Printausgabe, so Helge Aszmoneit. Allerdings: wer auf die angesprochenen haptischen und die Vorteile der grossen Seiten verzichten kann und möchte (Euro 19,95 pro aktuellem Heft – ältere Ausgaben Euro 12,95), findet in der FRAME-Magazine-Digitalausgabe eine gute und preiswerte Alternative – zu einem sehr günstigen Preis im amerikanischen iTunes-Store.

Allgemein politisch/philosophisch/zeitgeistige Themen sind über das Viewpoint Magazine und dessen Website zugänglich. Dankenswert – das digitale Heftarchiv reicht im Volltext zurück bis zur ersten Ausgabe 1/2011.

Ein Juwel für all jene, denen noch keine Scheuklappen den Blick nach rechts und links verstellen (oder gerne auch umgekehrt) ist das in Hamburg erscheinende unorthodoxe Wirtschaftsmagazin Brand Eins – immer noch von dessen Gründerin Gabriele Fischer verantwortet, immer noch neue Horizonte eröffnend, immer noch als Printausgabe oder digitale Version zu bekommen und immer noch selbst mit hohem gestalterischen Anspruch, der sich auch inhaltlich wiederfinden lässt. Regelmässig werden Designthemen behandelt – und ausserdem rundet ein frei zugängliches Heftarchiv mit den älteren Ausgaben das Angebot ab.

Kommen wir zu Bibliotheken, deren OPACs (Online Public Access Catalogue – also i.d.R. über das Internet zugängliche Bibliothekskataloge) und digitalisierten Ausgaben von (Design-)Zeitschriften.

Auch hier hat Helge Aszmoneit einen Strauss nicht alltäglicher Quellen zur Hand.

So stellt die Universitätsbibliothek Heidelberg mit ihrer EZB eine Elektronische Zeitschriftenbibliothek zur Verfügung – für alle möglichen und unmöglichen Wissensgebiete, aber auch für Architektur, Kunstgeschichte usw.

Von 1922 bis 1935 erschien als Publikationsorgan des Deutschen Werkbundes die Zeitschrift DIE FORM. Sämtliche Ausgaben sind digital verfügbar – in der Digitalen Bibliothek Heidelberg.

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden betreibt seit wenigen Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung das Sondersammelgebiet (SSG) Industriedesign und kann darüber hinaus unter dem Fachinformationsdienstarthistoricum.net mit weiteren einschlägigen Sondersammlungen aufwarten.

Weitere einschlägige Bibliotheksquellen rund um die Themenfelder Design/Foto/Architektur/Graphik/Kunstgeschichte usw.

Jedem Entwickler und/oder Designer können schnell Schweissperlen auf die Stirn treten, wenn es um unklare Fragen zu Patenten, Marken- oder Bildrechten geht.

Helge Aszmoneit hat hier einige Quellen zur Hand – Vorsicht: Spezialwissen bei der Recherche erforderlich!

Und was empfiehlt Frau Aszmoneit, um sich über Design-Trends auf dem Laufenden zu halten? Hier einige ihrer Tips zu einschlägigen Websites oder Datenbanken:

Und natürlich – nicht zu vergessen – auch in der politischen- oder Wirtschaftspresse lohnt sich die Recherche nach Designthemen:

In PAGE, der deutschen Zeitschrift für Design und Gestaltung beinhalten die Ausgaben1/2013 und 7/2016 ausführliche Sonderteile zum Thema „Kreative Recherche“.

Abschliessend noch einige ergänzende Links von mir zum Themenfeld Design / Architektur:

Und – nicht zu vergessen: die Bibliothek des Rats für Formgebung in Frankfurt am Main können Sie nach vorheriger Anmeldung auch besuchen und dort recherchieren – das Team von Helge Aszmoneit wird Sie gerne dabei unterstützen.

DGI-Praxistage 2016 – erfolgreich beendet

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Letzten Donnerstag und Freitag fanden die 6. DGI-Praxistage „Predictive Analytics – Blick in die Glaskugel oder glasklare Prognose?“ statt. Wir wollten mit Experten im Gästehaus der Goethe-Universität Frankfurt einen der derzeit wichtigsten Big-Data-Trends beleuchten.

Im Vorfeld konnten wir, wie schon 2015, drei Workshops anbieten: Stephan Geißler von Expert System Deutschland GmbH präsentierte: „Wissen aus Dokumenten industriell nutzbar machen – Einführung in die semantische Informationsextraktion mit dem Cogito Studio“ . Alexander Loth von Tableau Germany GmbH erklärte uns: “Why is Predictive Analytics essential for your Data Strategy” und Clemens Weins, kuehlhaus AG bot für die studierende Neumitglieder der DGI  das in diesen Tagen ungemein brisante Thema „Wie Online Marketing politische Öffentlichkeit beeinflusst!“ an.

Alle Workshops waren gut besucht und haben viel Spaß gemacht – wir werden dieses Format auch in Zukunft beibehalten.

Am Abend bot die Keynote: „Predictive Analysis – gestern, heute, morgen“ von Dr. Sven Schmeier, DFKI GmbH eine unterhaltsame historisch orientierte Einführung ins Thema und zugleich die Vorlage für ein lebhaftes Kamingespräch unter der Moderation unseres DGI-Präsidenten Herrn Karger. Danach konnte man sich bei einem ausgezeichnetem Abendessen und Getränken in schönem Ambiente dem Networking widmen.

Der Freitag stand mit den Vorträgen von Dr. Thomas Keil, SAS Institute GmbH, Nicolas Verstegen, StatSoft, Alexander Häußer, PwC Deutschland, Joachim Lackner,, Thomas Gabriel, KNIME.com AG, Prof. Dr. Melanie SiegelHochschule Darmstadt, Ralf Hennemann, GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH und Torsten Hartmann, Avantgarde Labs GmbH  ganz unter dem Motto Predictive Analytics – Blick in die Glaskugel oder glasklare Prognose? Als Orakel der Gegenwart bieten Predictive Analytics in vielen Bereichen verlässliche Antworten auf drängende Fragen, sei es im Vertrieb, in der Produktion, der Qualitätskontrolle oder der Medizin. Ein wichtiges Thema dabei: unstrukturierte Daten strukturieren und auf dieser Basis eine Zukunftsprognose formulieren. Dies ist eine große Herausforderung, denn noch gelingt das nicht fehlerfrei: Praktisches Beispiel, das uns die ganzen Praxistage aufgrund der Aktualität verfolgte: Die US-Wahl 2016.

Wir bedanken uns bei allen Rednern für ihre inspirierenden, kurzweiligen und zukunftsorientierten Vorträge und bei allen Teilnehmern für die anregenden Diskussionen!

Ganz besonders aber möchten wir unseren Sponsoren danken: Tableau Germany GmbH, GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH und Expert System Deutschland GmbH

Alle weiteren Informationen und das Programmheft mit Abstracts finden Sie auf der Veranstaltungsseite (Link)

DGI-Tipp des Tages: Job-Futuromat – Kann ein Roboter meinen Job machen?

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Sehr geehrte Mitlesende,

die folgende Seite hat im Zuge der vergangenen ARD- Themenwoche Furore gemacht:

http://job-futuromat.ard.de/

Gibt es hier etwa Aussagen zu den Informationsberufen?

Geben Sie hier einmal  „Bibliothekar/in“ ein, oder den „Fachangestellte/r für Medien …“, oder  den „Informations-Broker“ oder „Medizinische/r Dokumentar/in“ …

Oh Schreck! – K/ein Grund zum nachdenklich werden?

Besser sieht es dagegen aus bei „Informationswissenschaftler/in“, „Buchwissenschaftler/in oder „Business-Development-Manager/in“ …

 

Laudatio für den Land der Ideen Bundessieger Wirtschaft 2016

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Laudatio für den Land der Ideen Bundessieger 2016 in der Kategorie Wirtschaft

Frankfurt, Deutsche Bank, Taunusanlage 12, 10.11.2016
Laudator: Reinhard Karger, M.A.
Präsident, Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen, DGI
Unternehmenssprecher, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI und Mitglied der Land der Ideen Jury

Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen: „BURGER CARE – Roter Teppich für neue Mitarbeiter

Liebes Preisträger-Team der Burger Gruppe, der SBS-Feintechnik GmbH,
herzliche Glückwünsche auch im Namen der gesamten Jury an Sie, den Land der Ideen Bundessieger 2016 in der Kategorie Wirtschaft mit Ihrem Projekt “BURGER CARE – Roter Teppich für neue Mitarbeiter”.

Sehr geehrte Damen und Herren,
selten finden sich Begriffe wie „Kuckucksuhr“ und „Innovation“ in einem Satz. Heute schon. Read More

IWP 5/6 2016 ist nun online

By | Allgemein, Ankündigung, CeBIT, DGI, Industrie 4.0, Informationspraxis, Informationswissenschaft, Internet der Dienste, Internet und Gesellschaft | No Comments
Liebe DGI-Mitglieder,
nun ist es wieder soweit: Das letzte IWP-Heft für das Jahr 2016 ist online verfügbar. Die Druckexemplare werden Ende des Monats ausgeliefert. Einen unentgeltlichen Zugang zu allen Volltexten der Online-Ausgabe erhalten Sie als Mitglied der DGI über den Mitgliederbereich der DGI-Website.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihre IWP-Redaktion

Was Sie in der aktuellen Ausgabe lesen können, zeigt Ihnen der unten aufgeführte Überblick. Die Redaktion freut sich auf Ihre Reaktionen und auf Ihre Themenvorschläge und Beiträge.

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Die DGI auf der Buchmesse: gehört den Self-Publishing Mechanics die Zukunft?

By | Allgemein, Buchmesse, DGI, DGI-Veranstaltungen, Verlagswesen | No Comments

Auf der diesjährigen Buchmesse diskutierte die DGI „Publishing Trends of the Future“ – zusammen mit Wissenschaftsverlagen, Verwertungsgesellschaften, Hochschulen und Startups. Hier eine kleine Zusammenfassung für alle, die nicht dabei waren.

Was sind die Zukunftstrends der wissenschaftlichen Verlagsszene? Wie wird man Forschungsergebnisse und den Impact Faktor der eigener Publikationen in Zukunft messen? Auf welche Weise wird sich dies auf die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen auswirken und was bedeutet das für den Nachwuchs, diejenigen, die heute studieren? Sind sie auf diese Veränderungen vorbereitet, was bringen sie ein und inwieweit werden sie von ihren Hochschulen heute dabei unterstützt?

Um diese Fragen ging es vor etwa 50 Zuhörern in der „Digital Zone“ der Frankfurter Buchmesse. In Kooperation mit dem P-D-R (Pharma Documentation Ring) und dem PAID (Pharma Arbeitskreis Information & Dokumentation) in Halle 4.2, dem Hot Spot Professional & Scientific Information hörten wir vier Kurzvorträge und eine anschließende Paneldiskussion. Mit dabei waren Roheena Anand von RSC, Kate Livingstone von Wiley, Kate Alzapiedi von RightsDirect, Melanie Siegel und Johannes Graupe, Hochschule Darmstadt und Phil Jones von der Digital Sciences Group.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit organisiert sich neu. Teilen und Weiterleiten von Content in wissenschaftlichen und sozialen Netzwerken gehört zum Alltag. Open Access, Open Data, Open Standards-Entwicklungen verstärken sich und werden eine Zunahme an Konkurrenz über die Vergabe von Mitteln für die öffentlich geförderte Forschung auslösen. Deshalb müssen Verlage mehr Daten zur Unterstützung dieser Prozesse bereitstellen. Auch besteht Nachholbedarf, mehr Content zu vernetzen und interagieren zu lassen. Software hat alle Geschäftsmodelle verändert. Große Akteure, wie Google, Amazon und Apple drängen ins Verlagsgeschäft. Sie investieren Geld und Software und kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden genau. Der gesamte Publikationsprozess wird nicht mehr mit der Veröffentlichung des Werkes auf dem Markt enden, sondern bis ans Ende der Rezeptionskette und damit der digitalen Interaktion zwischen Rezipienten und Autoren reichen.

Aus Sicht der Rechteinhaber und Contentnutzer braucht es einfachere und globale Lösungen, Lizenzen für die Nutzung zu erwerben. Bei der Recherche und Auswertung von Publikationen wird es eine Zunahme der Nutzung von Big Data-Tools geben. Hier müsse von den Hochschulen mehr Wissen über Urheberrechte vermittelt werden.

Aus Sicht der Hochschulen findet die Recherchen nach Publikationen und eine Datennutzung mehr und mehr außerhalb der Bibliothek statt. Inzwischen gibt es eine Erwartungshaltung, dass Content komplett digital zur Verfügung stehen sollte, bspw. für Textmining. Traditionelle Publikationsformate brauchen zu viel Zeit für die Veröffentlichung und für die Rezeption. Interessanterweise wünschen sich Millennials Datenschutz, Transparenz über die Nutzung von Daten von Drittanbietern und Providern. Urheberrechte seien noch immer schwer zu verstehen, vor allem was man nutzen dürfe und was nicht. Die Informationsqualität und Vertrauenswürdigkeit ist auch für den Nachwuchs ein wichtiges Thema.

Das Panel war sich einig, dass die Veränderungen schnell auf uns zukommen. Nutzung, Zugriff und Herstellung von Content werden bequemer und sollten im Einklang mit Datenschutz und Urheberrechten stehen.

Künstliche Intelligenz könnte eine Lösung für viele der angesprochenen Bedürfnisse sein, so fasste Reinhard Karger, Präsident der DGI die Diskussion zusammen. Es gäbe zu wenige Debatten darüber in der akademischen Welt. Er glaubte auch nicht, dass die Verlagswelt auf diese Veränderungen vorbereitet sei. Der Fokus läge in der Zukunft auf Semantik. Wenn „Self-Publishing Mechanics“ die Zukunft gehört, hat dies Einfluss auf alles, was wir bis jetzt kennen.

Nähere Infos:
Programm der Veranstaltung 21.01.2016: http://dgi-info.de

Adressbüros, Fragämter und Intelligenz-Comptoirs – zur Geschichte der ersten Suchmaschinen

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Adressbüros, Fragämter und Intelligenz-Comptoirs – zur Geschichte der ersten Suchmaschinen

Des Sonntags soll der Mensch ja eigentlich ruhen und sich erbaulichen Gegenständen widmen. Aber was soll er machen, wenn das Erbauliche so schön mit seiner Alltagsbeschäftigung zusammenfällt wie in den aktuellen „Zwischentönen“ des Deutschlandfunks, einem kurzweiligen Interview-Format am Sonntagnachmittag?

In der Sendung vom 6. November 2016 interviewt Michael Langer seinen Studiogast, den Wiener Historiker Anton Tantner.

Der hat nicht nur sehr abwechslungsreiche Musik mit ins Kölner Studio gebracht, sondern berichtet auch sehr anschaulich und bildhaft über sein im vergangenen Jahr bei Wagenbach erschienenes Buch „Die ersten Suchmaschinen: Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs.“

Sein Faible für Registrierungs- und Identifizierungstechniken, die Beschäftigung mit der Geschichte der Hausnummern, mit französischen Theoretikern wie Michel Foucault und Gilles Deleuze fallen zusammen mit einer breit angelegten Musikauswahl von Gisela May, den Sex Pistols, Fehlfarben, Stimmgewitter bis hin zu Velvet Underground.

Die komplette Sendung mit Musikauswahl lässt sich nachhören bis zum 13. November 2016 – anschliessend als reines Interview.

Zur Mediathek

DGI-Newsletter 71 – November 2016 online!

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Der neue DGI-Newsletter für den November ist online. Besonders liegen uns natürlich die DGI-Praxistage am Herzen, die am 10. und 11. November 2016 in Frankfurt am Main unter dem Motto „Predictive Analytics – Blick in die Glaskugel oder glasklare Prognose?“ stattfinden. Weitere Themen sind:

  • DGI-Stammtisch
  • Anmeldung zum DGI-Lehrgang Informationsassistent/in 2017
  • DGI-Gemeinschaftsstand auf dem 106. Bibliothekartag 2017 in Frankfurt am Main
  • 11. Ausgabe der gfwm Themen mit dem Schwerpunkt Ignoranz
  • Ermäßigte Teilnahmegebühren für DGI-Mitglieder bei der APE 2017
  • und noch vieles mehr!

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

mit den besten Grüßen,

Ihre Newsletter Redaktion

Tipp des Tages: arte-Dokumentation „Schichtwechsel, die Roboter übernehmen“

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Eine sehr sehenswerte Dokumentation zur Zukunft der Arbeit und Industrie 4.0, aktuell zu sehen in der Kurzfassung bei der ARD-Themenwoche und in der Langfassung auf der arte Mediathek, noch zu sehen bis zum 12.12.2016:

Schichtwechsel, die Roboter übernehmen (Langfassung arte)

http://www.arte.tv/guide/de/055859-000-A/schichtwechsel-die-roboter-ubernehmen?country=DE

oder hier die kürzere Fassung von der ARD

http://www.ard.de/home/themenwoche/Schichtwechsel_die_Roboter_uebernehmen_ARD_Themenwoche/3577346/index.html

Wir stehen vor eine industriellen Revolution, die nicht nur die Automatisierung der Arbeit weiter vorantreibt und Menschen durch Maschinen ersetzt. Die Dokumentation zeigt eindrücklich, dass mit dem Wandel auch ein Umdenken stattfinden muss, wie wir uns Menschen sehen, unsere Gesellschaft gestalten wollen. Man darf das Thema nicht nur technisch oder renditeorientiert begreifen, auch wenn das im Augenblick nahe liegt. Den Wert, den der Mensch mit seinen kreativen und empathischen Fähigkeiten besitzt, könnte vielleicht wieder steigen und wichtiger werden. Auch das wäre eine Chance. Momentan denken wir noch in den Gesetzmäßigkeiten der „alten“ industriellen Welt.

In Minute 12 sagt man das Ende des Bibliothekars voraus, in Minute 24 hören wir, dass der Clickworker um die 10 EUR Stundenlohn bekommt und ganze Branchen, die bisher noch Wissensarbeiter beschäftigen, von Algorithmen abgelöst werden. Wie schnell und wie umfassend die Veränderungen sein werden, ist noch nicht zu sagen. Sind wir darauf vorbereitet und beschäftigen wir uns genug damit? Deshalb der Tipp des Tages.

buchmesse

Zukunftstrends der wissenschaftlichen Verlagsszene: am 21.10. ist die DGI auf der Buchmesse

By | Ankündigung, Buchmesse, DGI-Veranstaltungen, Informationspraxis, Verlagswesen | No Comments
Was sind die Zukunftstrends der wissenschaftlichen Verlagsszene? Wie wird man Forschungsergebnisse und den Impact Faktor der eigener Publikationen in Zukunft messen? Auf welche Weise wird sich dies auf die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen auswirken und was bedeutet das für den Nachwuchs, diejenigen, die heute studieren? Sind sie auf diese Veränderungen vorbereitet, was bringen sie ein und inwieweit werden sie von ihren Hochschulen heute dabei unterstützt?
Gerne möchten wir Sie zu unserer DGI-Veranstaltung auf der Buchmesse einladen. In Zusammenarbeit mit dem P-D-R (Pharma Documentation Ring) und PAID (Pharma Arbeitskreis Information und Dokumentation) wird wie auch im Vorjahr eine gemeinsame Veranstaltung und Podiumsdiskussion in der für die Infobranche und wissenschaftlichen Verlage wichtigen Halle 4.2 im Hot Spot angeboten.
Auch für Studierende, angehende FAMIS und an einer Neu- oder Schnuppermitgliedschaft Interessierte könnte die Veranstaltung anregende Impulse liefern. Kommen Sie vorbei, treffen Sie DGI-Mitglieder (auch vom Vorstand sind einige da), nehmen Sie Platz, gönnen Sie sich eine Verschnaufpause und folgen Sie den spannenden Beiträgen, einer britisch humorvollen Moderation von Andrew Clark (UCB Pharma) und einer Panel-Diskussion zum Thema.

Publishing Trends of the Future – consequences for research outputs and measures of impact
21.10.2016 | 13:00-15:00
Hot Spot Professional & Scientific Information, Halle 4.2
Partners: DGI, PAID, P-D-R

Eingeladen sind Vertreter von Verlagen (Royal Society of Chemistry, Wiley), Verwertungsgesellschaften (RightsDirect), Hochschulangehörige und Studenten (Hochschule Darmstadt) und Softwareentwickler (Digital Sciences). Sie werden miteinander die Konsequenzen der heraufziehenden digitalen Veränderungen und Zukunftstrends der Verlage und ihrer Dienstleistungen und Produkte diskutieren. Die Closing Notes resümiert Reinhard Karger, Präsident der DGI.
Nähere Infos auch im Veranstaltungskalender DGI:
http://dgi-info.de/events/frankfurter-buchmesse-2016/