Verantwortbare Wissensarbeit im Zeitalter generativer KI: Von Detektion zu Offenlegung
30. November , 17:00 – 18:30 CET

Generative KI ist in der Wissensarbeit angekommen. Texte, Analysen und Entscheidungsvorlagen entstehen zunehmend im Zusammenspiel von Mensch und KI-Sprachmodell. Damit stellt sich eine Frage, die für jede Form dokumentierten Wissens grundlegend ist: Wer verantwortet, was publiziert wird, und noch grundlegender, wie werden und bleiben von Mensch und KI ko-generierte Inhalte verantwortbar? Der Vortrag argumentiert, dass die Ausgaben großer Sprachmodelle eine eigene Kategorie von Texten bilden: ein künstlich vermischtes Zeugnis (Artificially Blended Testimony), das aus menschlichem Zeugnis abgeleitet, aber von der Kette der Zeugenschaft und ihrer Verankerung in der menschlichen Lebenswelt getrennt ist. Aus dieser Diagnose folgt ein Umdenken. Die verbreitete Hoffnung, KI-Anteile in Dokumenten im Nachhinein technisch zu erkennen (Detektion), zuletzt neu entfacht durch die Wasserzeichen, die Anbieter wie Anthropic inzwischen in die Ausgaben ihrer Modelle einbetten, führt in die Irre. Tragfähig im Sinne einer Verantwortbarkeit ist allein die Offenlegung: wie ein Text zustande gekommen ist, welche Faktoren das Ergebnis der KI beeinflusst haben könnten und welche Praktiken der Autor angewendet hat, um dem kritisch zu begegnen. Der Vortrag arbeitet den grundlegenden Unterschied zwischen beiden Ansätzen heraus und stellt mit der CoDA (Checklist for Human-AI Documentation Activity) einen ersten, strukturierten Vorschlag vor, wie sich Verantwortung für KI-gestützte Wissensarbeit dokumentieren und damit überprüfbar machen lässt.
Referenten
Dr. Sascha Donner ist Informationswissenschaftler am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft (Berlin School of Library and Information Science, IBI) der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier promovierte er zur kritischen Reflexion und Governance KI-basierter Wissensarbeit. Seine Forschung verbindet Dokumenttheorie mit Fragen der Verantwortbarkeit und Governance generativer KI. In diesem Rahmen hat er das Konzept des künstlich vermischten Zeugnisses (Artificially Blended Testimony) sowie die CoDA (Checklist for Human-AI Documentation Activity) entwickelt, ein Instrument zur Dokumentation von Verantwortung in der Mensch-KI-Zusammenarbeit. Diese Fragen bearbeitet er nicht nur theoretisch. Mit unternehmerischem Hintergrund aus einem KI-Startup verbindet er Forschung und Praxis und berät heute die öffentliche Verwaltung auf allen föderalen Ebenen in Fragen der Digitalisierung und des KI-Einsatzes. Seine Arbeiten sind unter anderem in den Proceedings der Document Academy, im Journal of Documentation und im Journal of the Association for Information Science and Technology erschienen.
Tool / Technik
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Kosten
Für Teilnehmende kostenfrei
Eine Kooperation mit

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