Programm

(Entwurf, Stand 28. Juli 2021)

28. Oktober 2021

Zugang nach Anmeldung und Login möglich ab 13:15 Uhr. Bitte beachten Sie auch unsere Hinweise zu Technik und Ablauf der Web-Konferenz

14:00 Uhr -  Begrüßung und Eröffnung


 

14:15 bis 16:30 Uhr - Information und Wissen über Politik, Forschung und Wissenschaft


Moderation Justine Schöne, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


14:15

Prof. Dr. Antje Michel, Fachhochschule Potsdam

Remote Living Labs – stakehoderbeteiligende Forschung im Pandemie-Modus

Zusammenfassung: Aus der Erkenntnis, dass die Lösung sogenannter „wicked Problems“ (Brinkmann et. al. 2015) den Einbezug unterschiedlichster, fachlicher Perspektiven aus Wissenschaft und außerwissenschaftlicher Praxis erfordern, werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte der angewandten Forschung zunehmend transdisziplinär und nach dem Modus der iterierenden Erkenntnisgewinnung ausgerichtet. Im „Living Lab“ (Schäpke et. al. 2018) bzw. „Reallabor“ (Scheidewind 2014) wird von Beginn an ein reziproker Wissenstransfer mit Stakeholdern unterschiedlichster, für die Fragestellung relevanter Professionen quasi-öffentlich initiiert.
Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für das Konzept der Living Lab-basierten Forschung durch die Verlegung in den digitalen Raum?
Am Beispiel der laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte der FH Potsdam „MaaS L.A.B.S.“ und „SmartUpLab“ werden Erfahrungen mit Wissensintegration und Wissenstransfer im Rahmen der digitalen, stakeholderbeteiligenden Forschung im Bereich der Mobilitätsforschung reflektiert. Folgende Thesen werden begründet und zur Diskussion gestellt:
• Eine grundsätzliche Herausforderung in der Stakeholderbeteiligung bei raumbezogenen Forschungsprojekten besteht in der Repräsentation der Forschungsprobleme in der Vorstellungswelt der Stakeholder. Digitale, stakeholderbeteiligende Forschung verwendet lediglich neue Instrumente für die Bewältigung dieser Herausforderung.
• Die im Verlauf der Pandemie entwickelten und erprobten Instrumente haben auch für zukünftige Projekte jenseits der Pandemie Potenzial.
• Die Entwicklung digitaler Grenzobjekte [Boundary Objects] (Star 2010) hat das Potenzial, den reziproken Wissenstransfer in digitalen, stakeholderbeteiligenden Projekten zu fördern.


14:45

Sylvia Kullmann et al., DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

Der Umgang mit Offenheit in der Wissenschaft - Informationsprodukte aus der Forschung für die Allgemeinheit

Zusammenfassung: In der Corona-Krise trat ein neues Phänomen der externen Wissenschaftskommunikation auf: Wissenschaftler*innen sind aus ihrer Rolle als beratende Instanz der Politik im Hintergrund selbst in das Licht der Öffentlichkeit getreten und haben insbesondere zu Beginn die Debatte um sinnvolle und notwendige Maßnahmen zur Kontrolle des Pandemiegeschehens maßgeblich bestimmt.
In diesem Zusammenhang wurden zwei Lernfelder offensichtlich. Zum einen wurde sichtbar, dass Forschende vor neuen Herausforderungen stehen, was die öffentliche Kommunikation mit anderen Forschenden und insbesondere der Zivilgesellschaft betrifft. Durch die ungefilterte Weitergabe von wissenschaftlichen Informationen an die breite Öffentlichkeit, publikumswirksam geführten Diskursen zwischen verschiedenen Wissenschaftler*innen über die Richtigkeit von Forschungsvorgehen und -ergebnissen sowie der steten Anpassung von Empfehlungen und Maßnahmen aufgrund von forschungsbedingten Wissenszuwächsen ist in Teilen der Gesellschaft der Eindruck von chaotischen Zuständen in der Wissenschaft entstanden. Einzelne Wissenschaftler*innen haben sich aufgrund von massiven Anfeindungen bald wieder weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen (z.B. Christian Drosten, vgl. Zinkant, 2020). Es wurde deutlich, dass der zu Beginn der Pandemie gelebte Grad an Offenheit und Transparenz zu erheblichen Akzeptanzproblemen für die Wissenschaft in der Zivilgesellschaft führen kann (Breznau et al., 2020).
Zum anderen wurde deutlich, dass die Aufgabe und Funktionsweise von Wissenschaft in breiteren Teilen der Bevölkerung nicht ausreichend bekannt ist. Sich fortlaufend weiterentwickelnde Forschungsergebnisse bis hin zur Zurücknahme kurz zuvor bekanntgegebener Erkenntnisse wurden zum Teil falsch gedeutet. Aufgrund fehlenden Wissens über das Wesen von Wissenschaftskulturen als sich stetig und ohne Unterlass selbst regulierende Systeme von Annahmen, Überprüfungen dieser Annahmen und ggf. deren Anpassung aufgrund von Falsifizierungen wurden die sich stetig verändernden Empfehlungen als beliebig verstanden. Hervorragend zusammengefasst hat dieses Phänomen der Journalist Fareed Zakaria in seinem Beitrag “How to ‘follow the science’” (Zakaria (2021). Dies führte zu einem geringeren Vertrauen in die Wissenschaft (Weißkopf & Ziegler, 2020).
Hinsichtlich der Erwartungen und der sich verändernden Forschungspraktiken stellt sich die Frage, welche relevanten Herausforderungen zukünftig angegangen werden sollten, damit die Kommunikation störungsfreier funktioniert.
Folgende dieser Herausforderungen wollen wir hierbei diskutieren:
1. Informationsreife und Informationsprodukte
2. Art der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
3. Rolle von Informations- und Wissenschaftskompetenz


15:15 Pause


15:30

Dr. Gunhild Berg, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

#WissKomm. Digitale Wissenschaftskommunikation und Informationskompetenz in den Social Media

Zusammenfassung: Der Beitrag analysiert Merkmale und Potentiale der Wissenschaftskommunikation in den Social Media, die ‚neue Konzeptionen von (Wissens)Kommunikation‘ (so der Call for Papers) durch die digitale Vernetzung der Informationsaufnahme von Usern einerseits mit der Wissens- und Wissenschaftskommunikation von Information Professionals andererseits bieten. Denn als primäre Informationsquelle nutzt nicht nur eine jüngere Klientel zunehmend diejenigen sozialen Netzwerke bzw. Social Media-Plattformen, in denen sie online ohnehin verkehrt. Die Relevanz der Social Media für Informationsbedarfe und Wissenserwerb wurde während der Corona-Pandemie infolge der physischen Distanz zur professionell angeleiteten und vor Ort unterstützten Informationskompetenz der (hoch-)schulischen und anderer Institutionen noch verstärkt.
Social Media dienen bekanntermaßen Marketingzwecken oder politischer Werbung, aber auch Information Professionals, Nachrichtenagenturen, (Bildungs-)Institutionen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur niedrigschwelligen Ansprache ihrer Klientel und Community-Bindung. Social Media-Plattformen sind – gegenüber informationskompetenten Recherchen, die bei den persistenten URL professionell kuratierter Informationsdatenbanken, institutioneller Websites, Wissenschaftsblogs oder Nachrichtenagenturen usw. ansetzen – von informeller Informationsrecherche, -konsumption, -distribution und -produktion gekennzeichnet.
An die Stelle monodirektionaler Informationsangebote (von einer statischen Internet-Präsenz aus) tritt auf Social Media-Plattformen Kommunikation und Interaktion zwischen Informationsnehmenden und -gebenden. Mehr noch, Informations-‚Empfänger‘ werden selbst zu Informations-‚Sendern‘, da gerade im Social Web Wissen informell durch prosuming – durch das nicht nur Konsumieren, sondern auch aktive (Re-)Produzieren von Wissen – etwa mittels Microblogging und Reblogging verbreitet wird. Social Media-spezifische Textsorten aus Kurztexten, Grafiken, Memes, Videos, Audios oder Hyperlinks bieten dabei nicht nur user-orientiert attraktive multimediale Informationsformate, sondern auch hypertextuelle Kommunikationsstrukturen mit Links, Hashtags, Kommentaren, Likes usw. für die Erschließung neuer Zielgruppen und ihrer Bedarfe.
#WissKomm in den Social Media nützt der flexiblen, zielgruppenorientierten Adressierung, professionellen Information, interaktiven Bedarfsermittlung und Beratung. Der Beitrag analysiert die verschiedenen Formen und Effekte der Wissen(schaft)skommunikation in den Social Media und diskutiert daran anschließend deren Potentiale zur Verbreitung und Förderung von Informationskompetenz und Informationsdidaktik.


16:00

Catrin Geier, Abgeordnetenbüro Dr. Jens Zimmermann

Politische Kommunikation als Mitglied des Deutschen Bundestages: Konkret, bindend und fokussiert


16:30  Pause


 

16:45 bis 18:30 Uhr - Information und Wissen als Ressourcen und Produktionsmittel von Information Professionals


Moderation Marlies Ockenfeld, Deutsche Gesellschaft für Information und Wissen e.V.


16:45

Dr. Ruth Elsholz, PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

@Information Professionals: Trust in Transformation!

Zusammenfassung: Der Vortrag richtet sich an Information Professionals und soll am praktischen Beispiel von PwC Knowledge Transfer zeigen, dass die Branche durch den pandemiebedingten Digitalisierungsschub neuen Schwung bekommen hat, der auch Skeptiker:innen mitnehmen kann. Mit der aktuellen Kampagne „Trust in Transformation“ kommuniziert PwC, dass wir Veränderung nicht als notwendiges Übel in einer beschleunigten Welt sehen, sondern als etwas positives, konstruktives. Transformation soll nicht als lästige Pflicht oder gar als Bedrohung empfunden werden, vielmehr als Antrieb für den Aufbruch in eine erfolgreiche Zukunft. (Vertrauen in Veränderung stärken!)

Als Leiterin des Bereichs Knowledge Transfer bei PwC habe ich den Claim für uns adaptiert und möchte im Vortrag beschreiben, wie wichtig bei der täglichen Arbeit „Trust in  Information“ ist und welche Veränderungen sich nicht zuletzt durch das forcierte digitale Arbeiten im Verhalten von Kolleg:innen und Kund:innen bei Informationsrezeption und -verarbeitung abzeichnen.

Die Thesen:

  • Google & Co sind präsenter denn je, aber:
    • Das Bewusstsein für die Notwendigkeit qualitätsgesicherter Inhalte ist parallel gestiegen.
  • Die Bereitschaft, digitale Inhalte und Services zu nutzen, ist größer denn je, aber:
    • Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, braucht Pfadfinder:innen.
  • Fazit: Mehr Chancen für digitale Informationsaufbereitung sind auch mehr Chancen für solche, die es können.

17:15

Waltraut Ritter, Knowledge Dialogues, Berlin und Hongkong

Wissensverlust in virtuellen Räumen?

Zusammenfassung: Die vielfältigen Erfahrungen mit virtuellen Formen der Kommunikation der letzten beiden Jahre haben das Arbeiten für viele Menschen, die vorher an das Büro als zentralen Ort der Informations- und Wissensaustausches gewohnt waren, verändert. Neue Arbeitsformen haben zu vielfältigen Veränderungen und Präferenzen, positiven und negativen, im Informations- und Kommunikationsumfeld von Organisationen geführt. Was wissen wir über die unterschiedlichen Qualitäten der Wissensarbeit in existierenden und gedachten Räumen? Welche Formen der Wissensarbeit können relativ einfach in den virtuellen Raum verlegt werden, welche gelingen nur in einem physischen Umfeld? Wie können Informations- und Wissensmanager die digitale Transformation der Arbeit begleiten? Brauchen Organisationen in Zukunft Experten, die die räumlichen Qualitäten von Wissensarbeit verstehen und gestalten?


17:45  Pause


18:00

Dr. Christine Moritz, Esslingen

„Video-Resonanzen?“ – Mikroanalyse eines Zoom-Interviews

Zusammenfassung: Leichtigkeit, Weite, Schnelligkeit - nicht zuletzt sogar Einsparung von Kosten – diese Verheißungen lassen onlinebasierte Kommunikationsmedien während der Pandemie besonders aufleuchten, erst recht, wenn sie auf der Basis videobasierter Tools durchgeführt werden. In diesem Beitrag wird die empirisch-sozialwissenschaftliche Mikroanalyse eines kurzen
Auszuges aus einem Interview, welches via „Zoom“ geführt wurde, präsentiert. Der Einzelfall zeigt exemplarisch auf, welche Elemente die videobasierte Kommunikation der Dyade in der Situation „Qualitatives Experteninterview“ ausmachen. Neben audiovisuellen Zeichen der Kommunikation und Situation finden sich auch Resonanzphänomene während der Interaktion.
Der deskriptive Beitrag präsentiert den Zeitprozess der Kommunikationselemente mit einer Feldpartitur. Er hat zum Ziel, die Resonanzen der Online-Kommunikation kritisch-reflexiv aufzuzeigen und zu diskutieren.


 

18:30 Uhr - Gesprächsrunden Schule, Lehrerbildung und Information Professionals


18:30 Uhr

Justine Schöne (Moderation): Vertreter*innen aus der Schule (Schüler*innen und Kolleg*innen)

Stefanie Klein (Moderation): Vertreter*innen aus der Hochschule (Studierende und Lehrende)

Michael Borchardt (Moderation): Information Professionals


 

29. Oktober 2021

Zugang nach Anmeldung und Login möglich ab 8:30 Uhr. Bitte beachten Sie auch unsere Hinweise zu Technik und Ablauf der Web-Konferenz

9:00 Uhr - Start und Begrüßung


 

9:00 bis 13:15 Uhr - Information und Wissen in Organisationen und @home


Moderation Stefanie Klein und Justine Schöne, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


9:00

Prof. Dr. Christina Müller-Naevecke, Europäische Fachhochschule Rhein/Erft GmbH

Kompetenzerwerb online: Wie kann Lernen auf Distanz gelingen?

Zusammenfassung: Der Beitrag aus der Perspektive der Erwachsenenbildung/Weiterbildung stützt sich empirisch auf ein qualitatives Forschungsprojekt aus dem Kontext Hochschule, das Erfahrungen mit digitaler Lehre während der COVID-19-Pandemie aufbereitet und für zukünftige Lehr-/Lernprozesse nutzbar machen will. Im Projekt „MePro – Mediendidaktische Professionalisierung an Hochschulen unter dem Beschleuniger der Corona-Pandemie“ an der Europäischen Fachhochschule EU|FH in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen wurden im Zeitraum Januar bis Juni 2021 20 Interviews mit Lehrenden verschiedener deutscher Hochschulen aus unterschiedlichen fachlichen Bereichen geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Ziel des Projektes ist unter anderem auch die Herausarbeitung prototypischer Konzepte für digitale Lehre, die sich auch auf andere Bereiche übertragen lassen, in denen Erwachsene lernen.
Die Bedingungen im Kontext der COVID-19-Pandemie haben an vielen Stellen dazu geführt, dass der Einsatz digitaler Lehr-und Lernformen an vielen Stellen kurzfristig und überraschend erfolgte und so Veränderungen und Innovationen beschleunigt wurden, die schon länger erwartet werden konnten: die Öffnung für digitale Formate. Die hier gemachten Erfahrungen gilt es nutzbar zu machen für kommende Herausforderungen, insbesondere als Innovationsimpulse für Lernen und Lehren in verschiedenen Segmenten. Der erkennbare mediendidaktische Entwicklungsschub und die gemachten Erfahrungen an Hochschulen können dabei für weitere Lernfelder genutzt werden, so etwa Erwachsenenbildung, Weiterbildung, betriebliches Lernen.
Thesen für eine gemeinsame Diskussion:
- Digitales Lernen kann genauso erfolgreich sein wie Lernen in Vor-Ort-Präsenz-Kontexten.
- Wie Lernen allgemein bedarf es hier durchdachter didaktischer Settings und angemessener Methoden.
- Der Schlüssel zum gelingenden Lernen liegt in der Rahmung der Kommunikation der verschiedenen Akteure – Weiterbildner*innen, Lehrenden – und kann etwa durch das Anregen professioneller Lerngemeinschaften getragen werden.


9:30

Prof. Monika Hagedorn-Saupe, Verbundprojekt museum4punkt0

Das Verbundprojekt museum4punkt0

Zusammenfassung: Im Verbundprojekt museum4punkt0 geht es um digitale Kulturvermittlung. Kultureinrichtungen aus ganz Deutschland entwickeln über Institutionsgrenzen hinweg und disziplinübergreifend digitale Angebote für neue Arten des Lernens, Erlebens und Partizipierens im Museum. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien fördert museum4punkt0 aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages. Das Verbundprojekt war zunächst auf drei Jahre angelegt und wurde bis Ende 2021 verlängert. 2021 wurden weitere Partnerinstitutionen in die Förderung aufgenommen. Die bisherigen Verbundpartner arbeiten in neuen und neu ausgerichteten Teilprojekten. In insgesamt 18 Teilprojekten entstehen digitale Anwendungen wie der Ausbau von Online-Sammlungen der Museen als Multiexperience-Plattform mit dem Ziel, mittels Künstlicher Intelligenz und Linked Open Data, individuelle Bezüge zwischen und zu den Sammlungen herzustellen. Es werden Konzeption und Umsetzung von hybriden Veranstaltungsformaten untersucht mit dem Ziel, digitale Partizipation zu optimieren. Apps werden entwickelt, die eine spielerische Erkundung von Exponaten im persönlichen Chat erlauben und VR-Angebote entstehen zum Eintauchen in verborgene Lebensräume und Ausbau der digitalen Partizipation von Bürgerwissenschaftler*innen. Die Erfahrungen und Ergebnissen wie auch entwickelte Anwendungen werden geteilt und für die Nachnutzung bereitgestellt.


10:00  Pause


10:15

Gesine Andersen, TU Chemnitz, Zentrum für Lehrerbildung

Förderung von Informationskompetenz in der Grundschule. Entwicklung eines didaktischen Konzepts für den Sachunterricht

Zusammenfassung: Im digitalen Zeitalter ist das Suchen und Finden von Informationen im Internet eine scheinbar leicht zu bewältigende Aufgabe geworden. Gerade in Zeiten des Distanzlernens und geschlossener Bibliotheken gewinnt diese Informationsquelle an Bedeutung. Wenn Grundschüler*innen im Internet recherchieren, dann geht es am häufigsten um Musik oder das Beschaffen von Informationen für die Schule (KIM-Studie 2020). Erste Anlaufstellen sind für sie überwiegend Suchmaschinen, Kindersuchmaschinen oder Videoplattformen (KIM-Studie 2018). Informationsbeschaffung im Internet im Unterricht zu thematisieren und anzuleiten, ist stark abhängig von Lehrkräften und deren eigener Kompetenzen. „Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht wird auf die Bedeutung der Informationskompetenz schon im frühen Alter hingewiesen (Ader et. Al 2013)“. Daraus resultiert, dass bereits Kinder in der Grundschule darauf vorbereitet werden müssen, Informationen in digitalen Umgebungen zu suchen, zu prüfen, zu bewerten, darzustellen und darüber hinaus zu erkennen, ob die Inhalte genutzt und weitergegeben werden dürfen.
Der Fokus für das Dissertationsvorhaben im Kontext des BMBF-Projekts „DigiLeG“ liegt auf der Entwicklung unterstützender Unterrichtskonzepte, um die Vermittlung von Informationskompetenz (information literacy) unter Einbeziehung medienpädagogischer und informatischer Aspekte sinnvoll in den Sachunterricht zu integrieren. Im Rahmen der empirischen Untersuchung soll durch Beobachtungsprotokolle und screencaptures analysiert werden, welche Strategien Kinder beim Recherchieren anwenden und wie sie mit den gewonnenen Informationen umgehen (auch hinsichtlich potentieller Falschinformationen).
Die Ergebnisse sollen einen Beitrag dazu leisten, Lehrkräfte für die Thematik zu sensibilisieren, ihnen Anregungen für die Unterrichtspraxis zu bieten und zugleich Lernende bei der Entwicklung eines verantwortungsvollen, reflektierten und kritischen Umgangs mit Inhalten aus (digitalen) Informationsquellen zu unterstützen.


10:45

Janina Berger, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Digital und kollaborativ: Arbeitsaufträge via Tickets in der internen Projektkommunikation

Zusammenfassung: Die Corona-Pandemie stellte Wirtschaftsunternehmen vor zahlreiche (mehr oder weniger neue) Herausforderungen, darunter die Organisation und Koordination von orts- und zeitunab-hängigen Arbeitsprozessen. Ermöglicht wird dies u. a. mit Ticket-Systemen (wie dem Markt-führer Jira), die im Helpdesk und (agilen) Projektmanagement längst etablierte Werkzeuge sind. Tickets werden in der internen Projektkommunikation zur digitalen Formulierung, Dokumentation und Vermittlung von Arbeitsaufträgen wie Bug Fixes oder der Implementierung von Features genutzt. Dabei enthalten sie idealerweise alle notwendigen Informationen zur Bearbeitung einer Aufgabe und dienen gleichzeitig dem digitalen Wissenstransfer, der asynchron und ortunabhängig stattfindet. Die Beschreibung der Textsorte Ticket – basierend auf empirischen Daten – ist Gegenstand des Vortrags.
Tickets blieben als Textsorte bislang unberücksichtigt. Dabei bieten sie aufgrund ihrer Spezifika und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ein hohes Potenzial für Wirtschaft und Wissenschaft. Zur Beschreibung der Textsorte wurde zunächst ein Korpus bestehend aus 30 Tickets erstellt. Diese Daten stammen aus drei verschiedenen Unternehmen mit unterschiedlichen Ticket-Systemen. Das Korpus wurde qualitativ untersucht und in Anlehnung an Brinkers Textsorten-klassifikation (2018) beschrieben. Erste Ergebnisse heben die Besonderheiten der Textsorte hervor und zeigen, wie digitale Informationsvermittlung auf Distanz gelingen kann. So wird im Vortrag u. a. erläutert und diskutiert, dass
∙ Tickets keine klassisch unilateralen Instruktionstexte sind, sondern gleichermaßen auch Kommunikationsmedium;
∙ die kollaborative Bearbeitbarkeit der Tickets ein konstitutives, textimmanentes Merkmal der Textsorte ist;
∙ die Veränderbarkeit der Tickets maßgeblich zur Sicherung des Verstehensprozesses beiträgt.


11:15  Pause


11:30

Theresia Woltermann, Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Informationswissenschaft & Sprachtechnologie

«Intercultural perspectives on information literacy (IPIL)»: Ein transnationaler Onlinekurs und mehr

Zusammenfassung: Die mit der Corona-Pandemie einhergehende Digitalisierung der Wissensvermittlung und Lehre in der Hochschulausbildung verursacht in vielfältiger Hinsicht Herausforderungen. Zugleich eröffnet sie auch neue Chancen. So fällt es beispielsweise leichter, Lernende aus unterschiedlichen Kulturen zusammen zu bringen. In diesem Kontext stellt der Beitrag das
Projekt «Intercultural perspectives on information literacy» vor. Das Projekt illustriert als ein Fallbeispiel einer digitalen und interkulturellen Lernumgebung zur Beförderung der Informationskompetenz Studierender die Potentiale der Digitalisierung für die
Internationalisierung der Lehre. Das Projekt fußt auf einer Kooperation der Universität Hildesheim und dem Symbiosis College of Arts & Commerce Pune. Das realisierte Lernszenario umfasst drei Phasen: 1.) Kennenlernen und erarbeiten einer gemeinsamen inhaltlichen Verständigungsbasis. 2.) Kollaborative Wissensgenerierung in gemischten Gruppen. 3.) Präsentation des erarbeiteten Wissens auf einer Online-Konferenz. Die Ergebnisse sind sehr ermutigend.
Herausforderungen des Projekts gestalteten sich in der Koordinierung der unterschiedlichen Semesterzeiten und Zeitzonen in Indien und Deutschland. Des Weiteren war eine sehr detaillierte Planung auf Seiten des Dozierendenteams notwendig, um einen
reibungslosen Ablauf der Live-Sessions und der Arbeitsphasen der Studierenden zu gewährleisten. Auch auf das Community-Building musste hinsichtlich des Formats als reiner Onlinekurs im Vergleich zu Präsenzkursen ein besonderer Fokus gelegt werden.
Für die Zukunft wird eine Erweiterung des Projekts um weitere internationale Partner angestrebt. Ziel ist es, das Projekt zu flexibilisieren, um es unabhängiger von Semesterzeiten und weiteren organisatorischen Hemmfaktoren zu machen. Für die
Koordination und den Vertrauensaufbau wird eine Community der Dozierendenteams aus den unterschiedlichen Partner:innenländern initiiert. Auch soll die technische Infrastruktur so gestaltet werden, dass sie für alle Partner:innen gleichermaßen zugänglich ist.


12:00

Ines Bieler, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Lehrkräftebildung in einer Kultur der Digitalität

Zusammenfassung: Für den Schulbereich ist Wissens- und Kompetenzerwerb nicht nur für Schüler:innen, sondern auch für Lehrkräfte im Sinne des lebenslangen Lernens fester Bestandteil des Prozesses der stetigen Professionalisierung. Die Bedeutung von Fortbildung gewinnt einerseits unter den Bedingungen der Kultur der Digitalität, dies wurde durch die COVID-19-Pandemie verdeutlicht, an Bedeutung und wird andererseits vor die Herausforderungen gestellt, sich in diesem Prozess auch wandeln zu müssen, da die veränderten Bedingungen sowohl neue Bedarfe generieren als auch neue Formate, Themen und Strategien erfordern (vgl. Stalder 2016).

Der Beitrag zeigt an zwei Praxisbeispielen, wie Lehrkräftefortbildungen inhaltlich und organisatorisch gestaltet werden können, um den Lern- und Arbeitsprozess der Lehrkräfte zu unterstützen. Der Forderung nach mehr Kooperation, die damit den Aspekt der Gemeinschaftlichkeit in der Kultur der Digitalität aufgreift, müssen "neue Formate und verstärkte[r] inhaltliche[r] Erfahrungsaustausch zu wesentlichen Themen von Schul- und Unterrichtsentwicklung" Rechnung tragen (Grothus 2018, S. 8). Die von der Kultusministerkonferenz (KMK) aufgestellte Forderung, die "im Rahmen der ersten und zweiten Phase der Lehrerbildung erworbenen Kompetenzen [...] bedarfsbezogen über die gesamte Berufsbiografie" als kohärenten Prozess zu verstehen und entsprechend den individuellen Bedürfnissen weiterzuentwickeln, lässt sich nur durch eine stärkere Vernetzung aller Phasen der Lehrkräftebildung erreichen (KMK 2020, S.5). In diesem Zusammenhang kommt der Wissenschaftsbasierung der Fortbildungsangebote ein besonderer Stellenwert zu und damit eine Verantwortung aller Beteiligten entlang der Lehrkräftebildungskette, phasenübergreifende Kooperationen von Schulen und Studienseminaren mit Hochschulen gemeinsam zu entwickeln. Die Umsetzung solcher phasenübergreifenden Kooperationen wird an den Praxisbeispielen deutlich.


 


12:30 Uhr - Abschlussrunde


ca. 13:00 Uhr

Ende der Web-Konferenz


 

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