Die Namensänderung der DGI hat für Furore gesorgt. Das kann ich verstehen, jedoch nur aus euphorisch positiven Gründen. Alle Gründe dagegen habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Alle Meinungen, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, meist aus der Informationswissenschaft, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Information und Wissen ist zu flach im Vergleich zum alten Titel Informationswissenschaft und Informationspraxis.

Ich bin verblüfft, in diesem Falle als studierter Informationswissenschaftler. Tiefgehender und umfassender könnten die Begriffe Information und Wissen gar nicht sein. Zudem ist der neue Name der DGI konkreter als „Informationswissenschaft und -praxis“ und leitet einen Paradigmenwechsel ein, vom institutionellen Denken zum inhaltlichen Austausch.

Erlauben Sie mir einen kleinen Exkurs

Ich will kurz auf den Begriff der Informationswissenschaft eingehen. Denn, mal ehrlich, haben Sie auf die Frage, was denn Informationswissenschaft sei, einmal eine Antwort in einem Satz bekommen? Mein „Kurz“ ist wörtlich zu nehmen, da ich um diesen Begriff nicht herumschwafeln will – dabei werde ich diese wissenschaftliche Disziplin richtigerweise mit zwei weiteren Disziplinen umschreiben:

Die Informationswissenschaft ist die Soziologie der Informatik

Damit ist alles gesagt. Wir machen uns darüber Gedanken, inwiefern alte und neue Technologien sowie Methoden die Speicherung, Archivierung und Dokumentation von Inhalten fördern bzw. verhindern. Dahinter steckt ein Ziel: der erfolgreiche Fluss der Information. Der Mensch will wissen!

In der DGI sind viele Wissenschaften unter einem Dach: die Informationswissenschaft wie auch die Informatik, die geistige Quelle der Informationswissenschaft. Aber auch die Kommunikationswissenschaften dürfen wir nicht vergessen gleichwohl alle weiteren FH-Studiengänge zu diesem Thema bis hin zu den Medienwissenschaften und zur Soziologie.

Kommen wir zurück zu unserem neuen Namen: Deutsche Gesellschaft für Information & Wissen

Wissenschaftlich und praktisch ist es interessant, wie der Weg von der Information zum Wissen stattfindet. Welche technologischen Mittel stehen uns zur Verfügung? Welche menschlichen Fähigkeiten sind gefordert, Informationen zu bergen und zu befördern? Was verändert sich gesellschaftlich durch neue technologische Möglichkeiten, Informationen in unvorstellbaren, galaktischen Dimensionen fließen zu lassen? Was verstehen wir heute von Dokumentation? Welche dokumentarischen Methoden funktionieren heute noch? Welche sollten wir heute nur noch in Geschichtsbüchern nachlesen? .. so beschäftigen viele weiteren Fragen die Informationsphilosophen und -pragmatiker.

Die Wissenschaft und die Praxis

Das „Und“ ist der Prozess, der Übergang von Theorie zur Praxis. Die Unternehmer lösen bereits Probleme, die in der Informationswissenschaft als theoretische Ansätze wieder und wieder diskutiert werden. Die modernen IT-Unternehmen von heute haben ihre eigene Informationswissenschaft, machen sich intern Gedanken, was neue Technologien auslösen können und stellen sich sofort den praktischen Herausforderungen. Die Erarbeitung theoretischer Modelle und praktische Umsetzung passieren simultan, werden in agilen Prozessen stetig erneuert und angepasst.

Wofür steht nun die DGI? Sie steht für Inhalte nicht Institutionen

Die DGI ist weder Wissenschaft noch Praxis, die DGI ist das „Und“ zwischen Wissenschaft und Praxis. Die DGI steht für den agilen Prozess von Information zum Wissen. In der Gestaltung dieses agilen Prozesses haben alle ihre Daseinsberechtigung, die sich für die Faszination hingeben, Informationen fließen zu lassen und immer verstehen wollen, wie sie fließen. Menschen, die verstehen wollen, wie sich Gesellschaft durch neue Informationstechnologien verändert und auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern sind.

In dieser agilen DGI kann es sich nur um Inhalte, nicht um Institutionen drehen. Diese DGI beschäftigt sich mit Information und Wissen. Wir laden Sie ein, mitzumachen, Ihre Gedanken einzubringen, neu zu denken und innovativ zu handeln.

Ich freue mich auf die nächsten gemeinsamen Veranstaltungen.

One Comment