DGI-Blog

DGI-Praxistage 25. bis 26. April 2013 in Frankfurt am Main

By | Ankündigung, Bibliothek und Information, Datenbanken, DGI-Praxistage, Dokumentation, HTML5, Informationspraxis, Linked (open) Data, Sprachtechnologie, W3C, Webstandardisierung | No Comments

Nach den erfolgreichen Praxistagen 2012 veranstaltet die DGI vom 25, bis 26. April 2013 ihre 3. DGI-Praxistage und zugleich ihre 65. Jahrestagung mit Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main. Im Fokus steht das Thema „Viel Information ist nicht genug: semantische Technologien in wissensbasierten Unternehmen“.

Längst sind erhebliche Teile des Unternehmenswissens und der -prozesse digitalisiert. Wissensarbeiter von heute müssen Lösungsmodelle für den Umgang mit „Big Data“ und die Auswertung dieser betrieblichen Datenmengen für den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens finden und sich dabei veränderten Anforderungen flexibel anpassen können. Semantische Technologien sind Werkzeuge, um Struktur in die unstrukturierte Datenmenge zu bringen, Inhalte sinnvoll miteinander zu verbinden und gerade auf diese Anforderungen zu reagieren.

Welche Instrumente kann und sollte man einsetzen, welche Vorteile bringt dies und wo lauern Fallsticke? Die Teilnehmer erwartet im Gästehaus der Goethe Universität ein attraktives Programm, das viel Raum für Diskussionen und aktuelle Einblicke in die Praxis bietet:

  • Stefan Zillich berichtet über „Wissensarbeit in modernen Arbeitswelten: Ein Zukunftsbild“.
  • „Copyright Compliance in der digitalen Welt“ betrachtet Joerg Weizendörfer (RightsDirect, München).
  • Clemens Weins, M.A. (Cocomore AG) spricht über die Notwendigkeit von internationalen Standards bei der Nutzung von „MultilingualWeb LT“.
  • „Die deutsche Fassung des Getty Art & Architectur Thesaurus“ stellen Axel Ermert und Monika Hagedorn-Saupe (Staatliche Museen Berlin) vor.
  • Dr. Ulrich Wieneke (Roche Diagnostics GmbH) berichtet über Erfahrungen mit „Industriesemantik“.
  • „Vom semantischen Vorschlagswesen für intelligentes Business-Matching bis zur Rückverfolgbarkeit von Produkten zur Endverbrauchersicherheit“ spannt Dr. Achim Steinacker (i-views) den Bogen.
  • Über „Wissensextraktion aus vorhandenen Quellen“ berichtet Petra Hauschke (MIRA Consulting GmbH).
  • „Semantic Publishing“ stellt Drs Johannes (Jan) Velterop (Academic Concept Knowledge Ltd. (AQnowledge)) aus Großbritannien in den Fokus.
  • Gleichfalls werden die „Probleme mit Linked (Open) Data“ von Dr. Sören Auer (Leipzig School of Media) beleuchtet.

Eine gute Gelegenheit zum Netzwerken und weiteren Austausch bieten die Gesprächsrunde und das anschließende Get-together während unseres Kaminabends am 25. April (sehen Sie den Kaminabend des letzten Jahres). Das aktuelle Programm, Abstracts und Informationen zu den Referenten sowie die Anmeldung sind zu finden unter:

http://www.dgi-info.de/index.php/dgi-eigenveranstaltungen/dgi-praxistage/dgi-praxistage-2013/programm

 

 

DGI Praxistage 2012 – Kamingespräch. Vom wertvollsten Gut zum nervtötenden Zeitfresser … Viel Information | Wenig Kompetenz

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DGI 2012 Kamingespräch: Vom wertvollsten Gut zum nervtötenden Zeitfresser … Viel Information | Wenig Kompetenz from DGI on Vimeo.

DGI 2012 Kamingespräch (Teil 2): Vom wertvollsten Gut zum nervtötenden Zeitfresser … Viel Information | Wenig Kompetenz from DGI on Vimeo.

Wir leben im Social Web, wir sind das Social Web. Jeder kann kommunizieren, über 20 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland sprechen für sich. Eine technologische Errungenschaft für unsere Gesellschaft! Eine individuelle Herausforderung für jeden Nutzer: Helfen uns die neuen Kommunikationswerkzeuge alte Probleme zu lösen oder schaffen sie auch neue? Wie gehen Unternehmen, Mitarbeiter und die Gesellschaft mit rechtlichen Fragen, mit den steigenden Anforderungen und der Informationsflut um? Ist das allumfassende Informationsangebot Chance oder Fluch? Welche Informations- und Medienkompetenzen werden benötigt? Werden diese schon ausreichend vermittelt und wenn ja, von wem? Was „kostet“ es, die neuen Optionen zu ignorieren?

Wer die Gegenwart verpasst, kommt für die Zukunft zu spät

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Wir leben im Gestern, verpassen das Jetzt und ignorieren das Morgen. So meint es Reinhard Karger, Unternehmenssprecher des DFKI und ehrenamtlicher Innovations-Beauftragter. In seinem Vortrag in Köln, am 25. Januar 2013 auf der Veranstaltung „Gedanken tanken“ , geht Karger auf die Entwicklung des Internets ein. „Alte Kamellen“, so könnten Sie meinen. Doch eigentlich haben wir heute keine wirklichen Vorstellung davon, was vernetzt sein morgen bedeutet. Nach diesem Vortrag können Sie es vielleicht erahnen:

Ist Big Data auch neutrale Data?

By | Internet der Dinge | No Comments

Wenn man das große Potenzial von Big Data sowie die Tatsache, dass diese Daten sowohl positiv als auch negativ verwendet werden können, in Betracht zieht, lässt es sich vermuten, dass Big Data per se neutral sein sollte.

Das war eine ähnliche Aussage aus einem Podcast (von @breitband), die am Wochenende eine rege Diskussion angestoßen hat. Jedoch behaupte ich, dass Big Data einiges sein kann, nur nicht neutral.

BIG? data.

Kurz zusammengefasst: mit Big Data sind große Datenmengen gemeint, deren Erfassung, Speicherung, Suche, Verteilung, Analyse und Visualisierung spezielle Methoden voraussetzen. Big Data wird dann verwendet, um Mustern (bzw. Anomalien) zu erkennen.

Weiterhin, Big Data ist zur Zeit ein Trend in Marketing und weiteren Geschäftsbereichen. Diese Unmengen an Daten werden aus verschiedenen Quellen wie Social Media, Online-Shopping, Finanztransaktionen, gelesene Nachrichten und Artikeln, Mobiltelefonen usw. gesammelt. Die gesammelten Daten werden dann ausgewertet und, natürlich, verkauft.

Vieles wurde bereits über die Nutzung von Big Data und dessen ethische Aspekte geschrieben. An dieser Stelle empfehle ich zwei Artikel von Evgeny Morozov und Danah Boyd als Beispiel.

(Nicht wirklich) neutrale Data

Der zugrunde liegenden Behauptung über die Neutralität von Daten (anders als Information), nämlich dass eine Sammlung von Zeichen bzw. 0 und 1 auf verschiedene Arten und Weisen verwendet werden können, kann ich nur zum Teil zustimmen, weil in der Praxis die Sache etwas komplizierter ist.

Der Komplexitätsgrad Daten→Information→Wissen steht in umgekehrte Relation zur „Neutralität“. Dies allerdings, bedeutet nicht, dass Daten neutral sind.
Die Informationsphilosophie hat bereits die Annahme, dass Informations- und Kommunikationstechnologie (u.a. Algorithmen und Online-Plattformen) neutral seien, annulliert. Das heißt, technologische Gegenstände (technological artifact) können für verschiedene Zwecke verwendet werden, positive wie auch negative, aber sie haben einen werte-geladene (value-laden) Charakter durch ihr Design (und die Sozialisation der verwendenden Person). Dieser werte-geladene Charakter begünstigt bestimmte Verwendungen des Gegenstandes und verhindert andere.
Dies ist für die Algorithmen, die Daten auswerten, und deren Anwendung zutreffend.

Aber dies gilt auch für die Daten selbst. Und das möchte ich zu erklären versuchen:
Eine willkürliche Sammlung von ‚0‘ und ‚1‘ dürfte eventuell neutral sein. Big Data allerdings (oder die meisten künstlich erzeugten und gesammelten Daten was das betrifft), ist keine willkürliche Sammlung von Bits. Das sind ganz bestimmte Arten von Daten, die durch gewisse Praktiken gesammelt wurden, in bestimmten Strukturen abgelegt wurden und all das für bestimmte Zwecke:

  • Big Data sind ganz bestimmte Arten von Daten: hauptsächlich persönliche und personenbezogenen Daten aber auch allgemeine Daten über Gewohnheiten, Verhalten, Ortsangaben usw. von Menschen.
  • Big Data wird durch gewisse Praktiken gesammelt: Harvesting, Zählpixel, Cookies, Verkauf und Ankauf an/durch Dritte, Mobiltelefone u.v.m.
    Sie können Ghostry installieren, um einen Einblick darin zu gewinnen, wer Sie überall im Internet verfolgt.
  • Strukturen: auch bevor man Algorithmen verwendet, um die Daten auszuwerten, werden diese in bestimmten Strukturen und Verlinkungen abgelegt. Diese Strukturen dienen natürlich den Zwecke derjenigen, die diese Daten sammeln. Und allein diese Strukturen können bestimmte Verwendungen der Daten begünstigen oder verhindern.
  • Intentionen: wie bereits erwähnt, all diese Daten dienen den Zwecken derjenigen, die sie sammeln und analysieren. Das heißt, die Daten werden mit gewissen Intentionen/Interessen gesammelt, sodass diese Intentionen wiederum einen Einfluss auf den Inhalt (Art) der Daten, auf ihre Strukturen und auf die Sammlungspraktiken haben.
    Diese Intentionen können, z.B., wirtschaftliche oder politische Interessen sein.

Diese Aspekte sind alles andere als neutral, auch wenn man mit einer Sammlung von Bits zu tun hat.

 

Eine Ausführliche (englischsprachige) Fassung dieses Artikels wurde auf dem Drawer 2.0 Blog veröffentlicht.

GfWM THEMEN 4 / Januar 2013

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Mit ihrer fachlichen Publikationen GfWM THEMEN stellt das Redaktionsteam der Gesellschaft für Wissensmanagement gleich zu Jahresbeginn vier hoch interessante Beiträge vor, die mitunter durchaus berechtigte, ja vielleicht sogar fordernde Fragen stellen:

  • Alumni-Netzwerke als Beitrag zum betrieblichen Wissensmanagement mittels Social Media , von Kai Fetzer, Prof. Dr. Alexander Mädche, Susanne Ransweiler
  • GfWM Diskussionspapier – Wissensarbeit in modernen Arbeitswelten: Ein Zukunftsbild, von Dr. Stefan Rehm, Georg Bremer, Stefan Zillich, Dr. Hein Reuter, Gabriele Vollmar
  • Komplexe Zusammenhänge sichtbar machen und bewerten – So funktioniert „Exzellente Wissensorganisation“, von Christian Keller
  • „Maybe Knowing II“ – some further aspects on cross-fertilization of knowledge and art, von Günther M. Szogs

Kostenfreier Download als PDF http://www.gfwm.de/files/GfWMTHEMEN4-Januar2013.pdf

Homepage http://www.gfwm.de/node/8

„Netzgemüse“ – Auf alle Fälle gemeinsam

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Tanja & Johnny Haeusler: „Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet“

Tanja & Johnny Haeusler: Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet

Kurzrezension

Auf alle Fälle gemeinsam

Das Thema ist wichtig, das Nachdenken dringend: Wie können wir unseren Kindern (und uns) die Chancen des Internets näher bringen, die Gefährdungen erkennen, die Gefahren vermeiden? Tanja und Johnny Haeusler haben einen guten Zugang gefunden. Ansprechend und schlank die Sprache, sehr gut lesbar, anekdotenreich und amüsant, rätselnd, dabei inhaltlich konstruktiv und erfrischend ergebnisoffen.

Für wen ist „Netzgemüse“ geschrieben und wem kann man es schenken? Eltern und Großeltern und deren Kindern – Netzfreunde werden schmunzeln, Netzverächter könnten grummeln. Den Unentschiedenen kann es einen Impuls geben, den Ratlosen ein wenig Orientierung und Ermunterung sein.

Für die Internet-Stürmer ist es zu reflektiert, zu konstruktiv und zu optimistisch. Technikfreude auf jeder Seite, bestimmt voll Affinität, aber ohne Naivität. Angetrieben von der Frage, wann und wie man Kindern den Weg ins Internet ermöglichen könnte oder sollte Read More

BBK Workshop: „Zwischen Bibliothekaren und Bücherwürmern: Gesellschaftliches und politisches Engagement von Information Professionals“

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Am kommenden Dienstag (27.11.2012) findet im BBK (am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Humboldt Universität zu Berlin) eine Diskussionsveranstaltung zum Thema ‚Gesellschaftliches und politisches Engagement von Information Professionals‘.

Schwerpunkt der Diskussion ist die Rolle der Lehre und Forschung als Institutionen, die diese wichtigen Themen als integralen Teil des fachlichen Diskurses etablieren können sowie gesellschaftlich und politisch bewussten Information Professionals ausbilden können.

Das Abstract der Veranstaltung:

In der Epoche der Informations- und Wissensgesellschaft, mehr als je zuvor, haben Information Professionals (Bibliothekar_Innen sowie andere Informationsberufe) einen wichtigen Beitrag zu öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Debatten zu leisten. Tagtäglich geschehen Ereignisse, die aus einer fachlichen und informationsethischen Sicht betrachtet werden sollen und von der Information Community nicht unkommentiert gelassen werden können. Letzten Endes haben diese Ereignisse eine bedeutende Wirkung auf die Praxis der Informationsberufe, und noch wichtiger – auf die Gesellschaft, in der diese Berufe agieren. Doch inwieweit findet eine solche Diskussion innerhalb des Berufsumfeldes statt? Und wie wird diese nach außen kommuniziert? Welche Rolle erfüllen Forschung, Lehre, Praxis und professionelle Verbände? Als Forschungs- und Ausbildungseinrichtung muss sich das IBI mit diesen Fragen auseinandersetzen, um diese Themen als festen Bestandteil des beruflichen Diskurses zu etablieren. Für diese BBK-Veranstaltung ist eine Diskussion zum Thema vorgesehen.

 

Den Bericht über den Workshop sowie eine Aufzeichnung des Vortrags finden Sie auf dem Drawer 2.0 Blog.

Innovation und die Kunst des Abwägens

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Kathrin Passig & Sascha Lobo: Internet – Segen oder Fluch

Kathrin Passig & Sascha Lobo: Internet – Segen oder Fluch

Kurzrezension

Innovation und die Kunst des Abwägens

Vielleicht etwas wortreich im Ausdruck, vielleicht etwas metropolhaft in der Wortwahl, aber lesenswert, dabei unterhaltsam, breit recherchiert, gespickt mit interessanten Zitaten, erhellenden Gedanken und Perspektiven aus 25 Jahrhunderten. Ganz bestimmt eine Empfehlung, ein exzellenter Debattenbeitrag und sein Geld wert!

Der Titel „Internet – Segen oder Fluch“ ist irreführend, fasst das Thema enger, als es Passig/Lobo erarbeitet haben und vorstellen: Das technologisch Neue, die verständliche Angst vor Veränderung und der gesellschaftliche Umgang damit. Die Anlässe haben sich über die Jahrhunderte geändert, aber auch das Internet ist keine Ausnahme. So steht von Anfang an zwischen den Zeilen ein wenig getarntes „Segen und Fluch“ und überdeckt möglicherweise den eigentlichen Beitrag von Passig/Lobo, ihr notwendiges Plädoyer pro Diskussionskultur:  Read More

Matching Points of Interest from Different Social Networking Sites

By | Datenbanken, Künstliche Intelligenz, Mashups, Social Media | No Comments

On September 25, we (Tatjana Scheffler, Rafael Schirru, and Paul Lehmann) had the chance to present our work about data integration for points of interest from different community Web sites at the 35th German Conference on Artificial Intelligence in Saarbrücken.

POI matching has become an important task for different systems such as map applications and location recommendation systems. In recent years, users have contributed valuable information about locations (points of interest, POIs) in community projects such as OpenStreetMap (OSM) as well as in commercial social networks like Yelp or its German variant, Qype. These platforms often provide different types of information for the same objects, for example ratings (Qype), check-ins (Facebook Places), descriptions, categories, etc. For researchers and application developers it is often necessary to merge these distinct representations of POIs in order to obtain rich and complete information about the associated locations. Unfortunately the records representing the POIs do not share a common identifier across platforms thus making their matching a difficult task. In our work we present an approach matching POIs from Qype and Facebook Places to their counterparts in OSM. The algorithm uses different similarity measures taking the geographic distance of POIs into account as well as the string similarity of selected metadata fields. An evaluation of our system has shown that our proposed approach achieves an accuracy of 79% for data integration with Qype and 64% with Facebook Places while at the same time reducing the number of false matches compared to two baseline algorithms.

Details about the approach can either be found in our paper or can be directly obtained from the authors.

Umfrage – Weniger Meinungsfreiheit wäre ok!?

By | Bibliothek und Information, Informationskompetenz, Internet and Society, Internet und Gesellschaft, Presse | 5 Comments

Die für Informationsspezialisten überraschende Information kam in der Moderation des ZDF-Politbarometers vom 28.09. eher beiläufig daher und verschwand angesichts der aktuellen Politikerbenotungen schnell hinter Zahlen und Informationen. Drum sei nochmal darauf hingewiesen: Laut der hier vorgestellten Ergebnisse würden annährend die Hälfte der befragten Personen (47 Prozent) ein Verbot religionskritischer Darstellungen befürworten, selbst wenn damit Einschränkungen der Meinungsfreiheit verbunden wären.

Die Meinungsfreiheit wird in Deutschland in Artikel 5 Abs. 1 des Grundgesetzes definiert: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […] Eine Zensur findet nicht statt.

Ein Blick in Geschichtsbücher und die Aussagen von Historikern bestätigen, dass der geschichtliche und politische Entwicklungsweg bis zu dieser Definition lang, mühevoll und mit Repressionen, Gewalt und Rückschlägen verbunden war.

Artikel 5 des Grundgesetzes stellt auch einen zentralen Pfeiler für alle mit dem Bibliotheks- und Informationswesen verbundenen Berufe und der damit zusammenhängender Branchen dar. Und sein Inhalt dient als wichtiger Gradmesser für die Situation des Staates mit Blick auf demokratische Grundrechte, auch in Europa. Nicht nur Politiker und Vertreter der Wirtschaft betonen zudem die Vorteile der Informations- und Wissensgesellschaft als Fortschritt.

Doch wie reif ist eine Gesellschaft für die „Informations- und Wissensgesellschaft“ tatsächlich, wenn fast die statistische Hälfte ihrer Teilnehmer zur Lösung aktueller Problemlagen gezielte Einschränkungen beim Zugriff auf Information hinnehmen würde?

Zeitungsleser im Hausgärtchen (Carl Spitzweg)

Selbst wenn man entschuldigend anführen möchte, dass die befragten Personen die Option „Einschränkung der Meinungsfreiheit“ als ein naheliegendes und erfüllbares Angebot zur Auflösung eines Problems vorgestellt bekommen, so bleibt dennoch ein Unbehagen. Als aufmerksame Beobachter/innen erinnern Sie sich bestimmt an nicht lange zurückliegende Ereignisse und Diskussionen, bei denen deutlich wurde, dass bestimmten Interessengruppen auch in Deutschland an einer Einschränkung der Meinungsfreiheit und des Zugangs zu Information offenbar durchaus gelegen ist. – Und so könnte das Zwischenergebnis aus dem Politbarometer des ZDF ausgerechnet von diesen Interessengruppen als durchaus ermutigender Anhaltspunkt verstanden werden …

 

Die Meinungsfreiheit wurde 1798 in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich als eines der kostbarsten Rechte des Menschen bezeichnet. Nach politischen Aufständen und deren Niederschlagung um 1848/1849 wurden einmal erreichte bürgerliche Rechte weitgehend wieder eingeschränkt. Zeitungen wurden in diesem Zusammenhang verboten oder nur nach strenger Zensur publiziert. Lesegesellschaften wurden geschlossen. Phasenweise war es für den Bürger ratsam, sich politisch nicht zu äußern. Nur der Rückzug in den privaten Raum bot Schutz vor der Zensur. Nur hier kann der Zeitungsleser wie auf dem Bild von Carl Spitzweg wenigstens mimisch missbilligen, was in der Zeitung steht. Das Bild entstand um 1845/1858. (Bildquelle: Wikipedia)