Aktivitäten im Jahr 2016

Bericht von Dr. Luzian Weisel

Das Kernthema Förderung von Informationskompetenz und Vermittlung des Nutzens der DGI wurde 2016 weiter vorangetrieben. Schwerpunkte bildeten im Berichtszeitraum (Feb. 2016–2017) dabei die Aktivitäten zur Konsolidierung der erreichten Ergebnisse in der Schul- und Berufsbildung sowie die Unterstützung der Lehre an Hochschulen. Zahlreiche Gelegenheiten wurden wahrgenommen, um das zentrale Anliegen der DGI in die Fachöffentlichkeit, die Bildungspolitik sowie in die Presse zu tragen.

Networking und Politikberatung: Auch in diesem Jahr nahmen für die DGI Frau Christa Rahner-Göhring sowie Luzian Weisel am 25.10.2016 beim Bildungskongress 2016: Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter in Stuttgart teil. Medienbildung wurde in Baden-Württemberg ab dem Schuljahr 2016/17 in allen Fächern und Klassenstufen verbindlich. „Wir brauchen ein Landeskonzept für eine kompetenzorientierte digitale Bildung in der Schule“. Mit diesen Worten begrüßte Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) die 450 Gäste in der Stuttgarter Liederhalle. Volker Schebesta betonte die Bedeutung digitaler Bildung: Der Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport ging auf drei zentrale Punkte im Hinblick auf die Digitalisierung im schulischen Bereich ein: der methodisch-didaktische Umgang in Hinblick auf das Lehren und Lernen mit und über digitale Medien, die angemessene Qualifizierung von Lehrkräften sowie die technische Ausstattung der Schulen. In 8 Praxisforen wurden die Erfahrungen zur technischen Ausstattung von Schulen, dem Basiskurs Medienbildung in der Praxis, Medienbildung in den weiterführenden Schulen oder dem „digitalen Lehreralltag“ ausgetauscht.

Die DGI war am 21.11.2016 mit einem Experten an der 1. Sitzung des Projektbeirats “IT Moderne Schulen in Karlsruhe” vertreten. Anhand eines „Werkstattberichtes“ des Stadtmedienzentrums wurden die aktuellen Schwerpunkte des Projektes (z. B. Lernen mit mobilen Endgeräten, Schule als Lernumgebung) vorgestellt. Es zeigte sich, dass Barrieren bei der externen Anbindung von Schulen & benötigte Bandbreiten sowie die interne Vernetzung & WLAN Ausstattungen den digitalen Unterricht behindern.

Unter dem Motto „Vom Lernen mit Neuen Medien zum Neuen Lernen mit Medien” veranstaltete das Stadtmedienzentrum Karlsruhe am 26.01.2017 im Rahmen der Learntec 2017 den traditionellen Medienkompetenztag. Anschaulich ging es z. B. beim Vortrag von Professor Frank Thissen Hochschule der Medien Stuttgart zu. Im Tandem mit Valentin Helling von der Alemannenschule Wutöschingen veranschaulichte er die Bedingungen, die für ein erfolgreiches Lernen in der Schule maßgeblich sind. „Kosmetik reicht heute nicht mehr aus, wir müssen vielmehr Schule ganz neu denken“. Im 21. Jahrhundert seien Problemlösungskompetenz, Informationskompetenz, Kreativität, Medienkompetenz, soziale Kompetenzen und eine Art Weltbürgerschaft von zentraler Bedeutung (Bild 1).

Bild 1 (Copyright Luzian Weisel)

Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Studieneinheit Informationskompetenz an der Universität Regensburg luden die Lehrstühle für Medieninformatik und Informationswissenschaft vom Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur (I:IMSK) und die Universitätsbibliothek Regensburg im November 2016 zur Festtagung in die Zentralbibliothek der Universität Regensburg ein. Auf Einladung der Veranstalter betonte Luzian Weisel für die DGI in seinem Grußwort (Bild 2) die Notwendigkeit, bewährte Konzepte der Förderung von Informationskompetenz auf die Lehre, das Lernen, die Wissenschaft und die Lehrerausbildung zu übertragen. Notwendig dazu ist die Forschung am Konzept „Information Behaviour“, man stehe noch ganz am Anfang. „Regensburg“ leiste mit seiner Forschung und der Studieneinheit Informationskompetenz einen unverzichtbaren Beitrag. Im Anschluss wurde in fünf Vorträgen Informationskompetenz sowohl aus der bibliothekarischen Praxis als auch als zentraler Forschungsgegenstand der Informationswissenschaft und Medieninformatik beleuchtet.

Bild 2 (Copyright „blende11 Fotografen“)

Unter dem Motto „eQualification 2017 – Lernen und Beruf digital verbinden“ fand in Berlin das jährliche Statustreffen von 90 Projekten statt, die gegenwärtig im Programm „Digitale Medien in der beruflichen Bildung“ des BMBF gefördert werden. Zielgruppen sind „Bildungspersonen“ in Firmen und Schulen sowie Multiplikatoren in Verbänden, Kammern, bei Bildungsdienstleistern, Verlagen und der Wissenschaft. Ziele der Förderung sind die Entwicklung von praxisnahen Lehr- und Lernkonzepten, innovativen Anwendungsbeispielen für den Einsatz von digitalen Medien, Konzepte zur Stärkung der Medienkompetenz, branchenübergreifende Einsatzpotenziale und Wege für den Transfer in die Berufsbildung. Anwesend waren in Berlin etwa 300 Personen, die an den zentralen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops partizipierten. Unter dem Hashtag #equal17 wurde fleißig – und auch kritisch – getwittert. Via DGI-Twitter-Kennung und in persönlichen Gesprächen äußerte sich die Vertretung der DGI, sobald Fragen der Förderung der Medienkompetenz (präziser: Informationskompetenz!) angesprochen wurden.

Facharbeit: Die DGI kooperiert bei „IK für die Wissenschaften“ mit dem Leibniz-Forschungsverbund Science 2.0: Die Förderung der Informationskompetenz sowie die Vermittlung des Nutzens für „Science 2.0“ und „Open Science“ ist ein zentrales fachpolitisches Anliegen. Damit konzentrieren wir uns perspektivisch auf die Zielgruppe Wissenschaft und Forschung. Es läuft eine Umfrage im Rahmen des Leibniz-Science 2.0 Verbundprojektes Open Science in der (Hochschul-) Lehre zu Open Science und Open Educational Resources in der Lehre. Ergebnisse werden auf der „Internationalen Leibniz Open Science Konferenz“ am 21./22. März 2017 in Berlin vorgestellt. Vorarbeiten dazu sind dokumentiert auf dem Poster „Science 2.0 & Open Science in Higher Education“, welches bei der „International Science 2.0 Conference“ im Mai 2016 in Köln präsentiert wurde.

In den Empfehlungen Leistungen aus Vielfalt zum Management von Forschungsdaten vom Mai 2016 schlägt der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) vor, eine Nationale Forschungsdaten-Infrastruktur zu gründen und die digitale Kompetenz junger Forscher zu stärken. Diese und andere Empfehlungen hat der RfII an Bund und Länder übergeben. Im Anhang A, 2.18 finden sich dabei konkrete Aussagen zur Informationskompetenz.

Nachwuchsförderung: Die regelmäßigen Besuche an den Ausbildungseinrichtungen wurden in 2016 fortgesetzt. In Vorträgen für Studierende in Düsseldorf, Leipzig und Regensburg, sowie dem IK-Lehrseminar an der Hochschule Darmstadt, wurde die Rolle von Informationskompetenz als wesentliches Element des lebensbegleitenden Lernens, als zentrales Element guter wissenschaftlicher Praxis sowie als Basis von Innovation in der Forschung behandelt. Herr Weisel wies in den Gesprächen mit den Lehrenden und Forschenden vor Ort auf die Notwendigkeit (und die Chancen) der Fortschreibung der Curricula für Informationskompetenz in Theorie und Praxis hin. Der Kontakt mit den Vorsitzenden der KIBA, der Ausbildungssektion der DGI, Frau Prof. Schade, HAW Hamburg sowie Prof. Neher, FH Potsdam, wurde intensiviert.

Internationales: Anfangs Oktober 2016 trafen sich in Zürich/CH Vertreter des Strategiekreises Informatik i-12 (Bild 3). Ihm gehören neben der DGI weitere Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die zusammen ca. 60.000 Mitglieder repräsentieren. Der Strategiekreis beschäftigt sich mit allen Themen der Informatik und ihrer Anwendungen, angefangen von der Forschung über die Anwendungsentwicklung und die Infrastrukturtechnik bis hin zum Einfluss der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien auf die Gesellschaft und daraus resultierender politischer Aufgabestellungen. Länger diskutiert wurde insbesondere die Informatikausbildung an der Schule, die gefördert werden und Teil der Hochschulreife werden soll. In diesem Kontext flossen die Erfahrungen der DGI und der Fachgruppe zur Informationskompetenz in der Bildung in die Überlegungen ein. Verstärkt wurden in 2016 der Erfahrungsaustausch und die Kooperation beim Thema Informationskompetenz mit unserem österreichischen Partnerverband ÖGDI.

Bild 3 (Copyright „i12“)

Zum Stand und den Perspektiven der Arbeit der Fachgruppe: In 2016 fand keine Präsenzsitzung der Fachgruppe statt. Der fachliche Austausch erfolgte über Email-Kontakte sowie Gespräche auf Fachtagungen. Für das Jahr 2017 lädt der DGI-Vorstand alle Interessierten ein, Teil der im Januar 2017 gegründeten Community of Practise (CoP) Informationskompetenz zu werden.

Mit dem Konzept „Projektwoche Informationskompetenz für Schüler – Relevanz beurteilen – Meinungen erkennen, Absichten verstehen, eigene Urteile bilden“ reagiert die DGI z. B. auf die aktuelle Diskussion über den möglichen Einfluss von Fake News und postfaktischen Behauptungen auf individuelle Wahlentscheidungen. Fragen der Informationskompetenz sind in jüngster Zeit wieder verstärkt in den Fokus der (öffentlichen) Wahrnehmung gerückt. Dabei liegt das Augenmerk auf Fähigkeiten zum Erkennen von falschen Informationen und ihren Quellen, zum kritischen Umgang mit (digitalen) Informationslieferanten aller Art und der Informationsbeschaffung, -nutzung und -wirkung im alltäglichen Leben.

Aktivitäten 2009–2015